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Karin Hanika
Wer definiert die Welt und wem gehört die Heimat? Über die Verfügbarkeit des Authentischen


Die Seismografen des Trends haben die provinzielle Heimat entdeckt. Wer auf sich hält, hat einen spezifischen Herkunftsort – möglichst abgelegen – vorzuweisen. Weltläufigkeit kann ja inzwischen jede/jeder bieten, oder?

Kann man Heinrich Heines Briefformel „… und grüßen Sie mir die Welt“, die er 1829 aus Potsdam ins ferne Berlin richtet und mit der auch dieses Buch überschrieben ist, als schmerzliche und doch vielleicht ein wenig ironische Sicht auf die geschichts- und kulturträchtige Metropole lesen, so dreht sich etwa in Florian Illies („Generation Golf“) neuestem Buch „Ortsgespräch“ das Verhältnis um. Da berichtet der smarte Hauptstadt-Journalist von seiner Kindheit und Jugend im Städtchen Schlitz im hessischen Vogelsberg. Der Witz an diesem Buch sind nicht die außergewöhnlichen Erfahrungen, die der Autor beschreibt – originell sind sie auch dann nicht, wenn man den Ort zufällig kennt. Das, was geschildert wird, deckt sich nämlich mehr oder minder mit ähnlichen Jugenden in bundesdeutschen Kleinstädten während der Siebziger- und Achtzigerjahre. Der Witz ist die tatsächliche Lokalisierbarkeit, die wirkliche, echte Wirklichkeit seiner Herkunftsgeschichte – und die parallele Distanzierung davon, wenn in der Widmung vorab sogleich darauf hingewiesen wird, „natürlich ist in diesem Buch alles erstunken und erlogen.“

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