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Barbara Lange
Gedächtnisspeicher. Zum Verhältnis von Fotografie und Erinnerung
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Auch wenn wir heute menschliches Erleben mit etwas anderen Modellen als in der Antike zu beschreiben suchen, so unterscheiden wir in unseren aktuellen Gedächtnis- und Erinnerungstheorien immer noch zwischen dem Vorgang des Speicherns und dem des Abrufens aus dem Speicher. Die mentalen Bilder, die sich im Prozess der Erinnerung einstellen und die schon in der Theorie des Aristoteles eine so große Rolle spielen, haben dabei in unserer massenmedial fundierten Kultur einen neuen Charakter erhalten: Wir gehen davon aus, dass sie heute weitgehend fotografisch geprägt sind. Das heißt, die Bilder, die zur Erinnerung aufgerufen und aufgeblendet werden, orientieren sich an der Struktur von Fotografien, wie sie omnipräsent in unserem Alltag vorhanden sind und wie sie als Dokumente von Authentizität akzeptiert werden.

Damit das Bildmedium Fotografie überhaupt einen derartig bewusstseinsprägenden Status erhalten konnte, waren im Wesentlichen zwei Voraussetzungen notwendig: Fotografie musste zum einen allgemein als diejenige Instanz akzeptiert werden, die Realität erfassen und speichern kann. Diese Eigenschaft und entsprechende Argumentationen mussten zum anderen so überzeugend sein, dass die Menschen bereit waren, ihren Umgang mit Wahrnehmung nach diesem Medium auszurichten.

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