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Wiebke Trunk
Kunst als Reibungsfläche


Kunst birgt – ungeachtet ihrer Instrumentalisierung – die Möglichkeit, grenzenlos zu denken. Möglicherweise ist das ein Grund dafür, warum Kunstwerke geschützt werden müssen. Gilt es doch, einen Raum zu bewahren, in dem uneingeschränkt gedacht werden kann. Damit hat das Denken hier zunächst keine Beschränkung, kein Gesetz, keine Richtung. Ein solcher Raum ist ebenso wertfrei wie wertvoll. Ich erinnere hier an die Antwort des Leiters der documenta 12, Roger Buergel, der auf die Frage, wozu man Kunst brauche, sagte: „zum Denken!“ und damit den Freiraum der Kunst mit der Möglichkeit der Freiheit des Denkens gleichsetzte.

[...]

Die Auflösung festgefahrener Denkmuster, wie sie gerade in der Debatte um den Heimat- und Identitätsbegriff immer wieder begegnen, fordert die Auseinandersetzung und den Einsatz einer erweiterten Kunstvermittlung heraus. Die Hinterfragung der eigenen Kultur, die Konfrontation mit anderen Lebenswelten und damit die Frage nach der jeweiligen Konstituierung von Existenz wird in der Auseinandersetzung mit Kunstwerken möglich. Genau hier existiert nämlich der gleichzeitig notwendige und uneingeschränkte Denkraum, um Perspektiven einnehmen zu können, die im alltäglichen Leben nicht möglich sind. Insofern gilt es, Orte des Denkens zu öffnen.

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