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Pressemitteilung / 18.06.2007
Projekt der KulturRegion Stuttgart 2007

… und grüßen Sie mir die Welt / fotografierte Heimaten

Mit diesem Briefzitat von Heinrich Heine ist das Fotoprojekt der KulturRegion Stuttgart im Sommer 2007 überschrieben. Es wird maßgeblich gefördert vom Verband Region Stuttgart und der Stiftung der Landesbank Baden-Württemberg. Das Thema – Heimat und Identität, Positionen zeitgenössischer Fotografie – wird dabei von 18 Mitgliedsstädten der KulturRegion Stuttgart und ihren Kooperationspartnern (7. Internationale Foto-Triennale Esslingen, Fotosommer Stuttgart, Deutsche Fotografische Akademie in Leinfelden-Echterdingen) anhand unterschiedlicher Schwerpunkte in 23 Ausstellungen untersucht. Hier werden u.a. Fotografien gezeigt von Christoph Balzar (D), Katharina Bosse (D), Peter Bialobrzeski (D), Sinje Dillenkofer (D), Anne Eickenberg (D), Ulrike Flaig (D), GAW (D), Jean Le Gac (FR), Langen und Loges (D), Andrea Lühmann (D), Jo Ractliffe (SA), Willy Römer (†,D), Jürgen Schadeberg (SA), Martin Wagenhan (D), Kai Wiedenhöfer (D) oder auch Sylvie Zijlmans (NL).

„Nun geht es bei ‚… und grüßen Sie mir die Welt / fotografierte Heimaten’ nicht etwa darum, etwas auszustellen und zu untersuchen, was sich nur auf den Begriff unsere Heimat bezieht“, so Dr. Jürgen Zieger, Esslingens Oberbürgermeister und zugleich 1. Vorsitzender der KulturRegion Stuttgart, „sondern vielmehr darum, ein Kommunikationsforum einzurichten, in dem Bedingungen für unterschiedliche Heimatvorstellungen diskutiert werden.“ Die Projektleiterin Wiebke Trunk ergänzt diesen Gedanken, indem sie darauf hinweist, dass die herkömmliche Auffassung von Heimat und Identität oftmals ungenau und vor allem gefühlsbeladen ist, „sodass bis heute wirksam, die Gefahr von Ausschlüssen in einer Gesellschaft existiert. Gerade angesichts der Globalisierung und den damit verbundenen differenzierten Fragen zu Integration und kultureller Identität wäre es absurd, eine ausschließlich traditionelle Ausrichtung der Begriffe aufrechtzuerhalten.“

Die Vorstellungen, was Heimat und Identität für die Einzelne / den Einzelnen bedeuten, ist dabei nicht zuletzt eng verbunden mit der Rezeption von Bildern. Gerade die Technik der Fotografie spielt hier eine entscheidende Rolle, denn die Art und Weise, wie Vorstellungen und Denkmuster entstehen, wird maßgeblich durch die Visualisierung von Ideen und Idealen bestimmt. Dazu sagt die Geschäftsführerin der KulturRegion Stuttgart, Karin Hanika, dass „Thema und Technik des Projektes grundsätzliche Anliegen unseres interkommunalen Zusammenschlusses behandeln, denn es ist eine der zentralen Aufgaben des Vereins, durch die jährlichen Kulturprojekte Bewohnerinnen und Bewohner der Region Stuttgart zur Diskussion der Frage einzuladen, wie heute ein kritisch aufgeschlossener Umgang mit den Begriffen Heimat und Identität möglich ist.“

Die regionale Ausstellungsreihe aktueller künstlerischer Fotografie der KulturRegion Stuttgart ist vor diesem Hintergrund als politische Auseinandersetzung zu verstehen, die die Impulse künstlerischer Arbeit nutzen möchte, um brisante gesellschaftspolitische Probleme zu diskutieren. Um die komplexen Probleme besser entschlüsseln zu können, versucht „... und grüßen Sie mir die Welt / fotografierte Heimaten“, mit den Ausstellungen, mit dem Kunstvermittlungsprogramm, und mit zwei Publikationen ein Angebot für die hier notwendige Kommunikation zu schaffen.

Das vorliegende Programmheft ist eine dieser Publikationen. Im ersten Teil wird der jeweilige Beitrag einer Mitgliedsstadt der KulturRegion Stuttgart ausführlich vorgestellt, im zweiten Teil folgt eine Übersicht aller Ausstellungen in Kurzform. Daneben gibt es ein Buch mit weiterführenden kunst- und kulturtheoretischen Aufsätzen, etwa zu Themen wie Konstruktion und historische Entwicklung des Begriffs Heimat, Fotografie und Erinnerung, Medien und Tourismus als Definitionsmacht von Heimatkulisse, Kunst und kulturelle Verbände als Reibungsfläche für gesellschaftspolitisch komplexe Themen.

Die Vielzahl der Ausstellungen ist heterogen und bietet zahlreiche Ansätze für eine Auseinandersetzung. So werden etwa in einigen Projekten vor allem Fragen zur Identität von Jugendlichen behandelt, wie beispielsweise in Ditzingen, Fellbach oder Gerlingen; in Leonberg wird außerdem das Problem der Asylsuche visualisiert, in Esslingen am Neckar und in Sindelfingen die Reflexion der Lebenswelt u.a. in Südafrika; in Böblingen, Leinfelden-Echterdingen und in Stuttgart konzentriert man sich auf den kritischen Blick auf die eigene Lebenswelt; in Kirchheim unter Teck und Filderstadt geht es um Fragen territorialer Herrschaft und die damit verbundenen Auswirkungen für die BewohnerInnen und in Waiblingen und Ludwigsburg wird der Zusammenhang von kultureller Historie und ihrer künstlerischen Übersetzung in abstrakte Formen reflektiert.
 
Die Eröffnungsveranstaltung des Fotoprojektes der KulturRegion Stuttgart wird am 24.06.2007 im Freilichtmuseum Beuren stattfinden. Grund für diese Entscheidung ist die hier vorliegende Verbindung der beiden Aspekte „Heimat“ und „Fotografie“. Zum einen weist dieses Museum, ähnlich wie der Heimatbegriff, in seiner Gesamtheit eine zweideutige Form auf und zum anderen existiert dort, als Teil der ausgestellten Häuser, ein historisch einzigartiges Tageslichtatelier. Dieser einst in Kirchheim unter Teck stehende Arbeitsraum eines Berufsfotografen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist ein herausragendes Beispiel für die Geschichte des Mediums Fotografie und seiner beginnenden Popularisierung. Die vermeintlich „heimatlich–dörfliche“ Struktur, in die er eingebettet ist, ist in Wahrheit inszeniert und bietet das Gefühl einer existenten, gewachsenen Gemeinschaft, die faktisch allerdings als synthetischer Verbund kulturell wichtiger Gebäude entlarvt werden kann.

Karin Hanika                                                               
(Geschäftsführerin)                                                  

Wiebke Trunk
(Projektleiterin)


Für weitere Fragen zum Projekt stehen wir gerne zur Verfügung unter:

KulturRegion Stuttgart
Am Hauptbahnhof 7                                            
70173 Stuttgart                                                 
Tel.: 0711 – 22 12 16
Fax: 0711 – 22 12 19                
kontakt@kulturregion-stuttgart.de





 
   
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