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Dr. Jürgen Zieger zunächst einen herzlichen Dank den KINDERN DER SONNE, die uns mit ihrem theatralischen Einstieg witzig und ironisch treffsicher mitten ins Zentrum des Themas Heimat und Identität geführt haben. Um diese unterschiedlichen Vorstellungen zu illustrieren, möchte ich Ihnen exemplarisch einige Ausstellungen des Projekts nennen, in denen das gut erkennbar ist. Nehmen wir zum Beispiel die Arbeiten, die im Kornhaus in Kirchheim unter Teck oder auch im Galerieverein Leonberg gezeigt werden. (im Programmheft, S.36 bzw. S.44) Unzweifelhaft beantworten Menschen, die in Palästina leben, die Frage, was Heimat für sie bedeutet, ganz anders als wir. Oder anders als jene, die in einem fremden Land um Asyl bitten. Solche unterschiedlichen Antworten werden von den präsentierten Fotografien der Künstler und Künstlerinnen reflektiert. Die 7. Internationale Foto-Triennale in Esslingen (S.26) zeigt entsprechende Arbeiten aus einem anderen internationalen Kontext, etwa die Arbeiten aus Südafrika, die die Zeit vor und nach der Apartheid thematisieren. Dieses Thema wird ebenfalls in Sindelfingen aufgegriffen. (S.49) In der Städtischen Galerie in Böblingen dagegen geht es um das Thema Deutschland, also um das Land, in dem wir hier leben – und das wir gut zu kennen glauben. (S.21) Entsprechend sind hier Bilder versammelt, die uns zunächst an Vertrautes erinnern, an Urlaubsbilder oder auch an Ansichten bekannter Landschaften. Allerdings werden wir zugleich irritiert durch die Größe der Fotografien und durch ihre perfekt glänzende Oberfläche. Wir kennen diese Motive zwar, und haben selbst sicher alle zahlreiche ähnliche Aufnahmen gemacht. Wir erinnern uns an vergleichbare Bilder aus Tourismusprospekten und aus der Werbung – und schon fragen wir uns angesichts der nebeneinander an der Wand hängenden Vergrößerungen: Stimmt das so? Oder täuscht uns unsere Erinnerung? Ist das dort Sichtbare uns wirklich vertraut und kennen wir diese Orte tatsächlich? Können wir uns damit identifizieren? Ist das ein gültiges Bild von Heimat? Für wen könnte es Heimat sein? Ähnliche Reflexionen werden durch die Fotografien in Leinfelden-Echterdingen (S. 37) oder auch diejenigen in Ostfildern (S.48) angeregt. Dort geht es nämlich um die jeweilige Lebenswelt vor Ort, selbstverständlich aus der Sicht mehrerer Künstlerinnen und Künstler. Und auch da merken wir sofort, die Perspektiven auf das Lokale sind sehr verschieden. Ganz besonders wichtig sind diese Fragen für Jugendliche. Sie suchen noch ihren Ort, mit dem sie sich identifizieren können, ihren Platz in der Gesellschaft, ihre Identität. Dass die nächste Nähe, also unsere unmittelbare Umgebung, ganz wichtig für uns ist, werden Sie sicher alle bejahen. Wie fremd diese jedoch auf einmal werden kann, zeigt das abschließende Beispiel aus Stuttgart. (S.56) Die Ausstellung „Reale Räume“ in der dortigen Stadtbücherei öffnet nämlich Einblicke in diverse, ganz individuelle Innenräume. Die Vielfalt dieser Aufnahmen macht uns klar, wie vielfältig Lebenswelten und Lebensräume sein können und wie unterschiedlich damit auch die Vorstellungen von Vertrautem, von Heimat und Identität. Ich beende damit meinen kurzen ´Rundgang´ durch einige Ausstellungen unserer Mitgliedsstädte. Die anderen nicht minder spannenden und wichtigen Stationen unseres Projekts entnehmen Sie bitte zunächst dem informativen Programmheft. Dort finden Sie am Anfang jeweils einen längeren individuellen Veranstaltungsteil jeder einzelnen mitwirkenden Stadt. Ihm schließt sich eine Übersicht in Kurzform zu sämtlichen Ausstellungen in der Region an. Es gibt somit insgesamt 17 sich unterscheidende Ausgaben des Programmhefts mit 23 Ausstellungen, die den Fotografie-Sommer 2007 abbilden. Unsere regionale Ausstellungsreihe aktueller Fotografie, die wir ab jetzt bis in den September allen hier lebenden Menschen und allen Gästen anbieten wollen, möchte die Impulse der künstlerischen Arbeiten nutzen, um die brisanten gesellschaftspolitischen Probleme, wie Migration oder Globalisierung, zu diskutieren. Wie wir gesehen haben, ist die jeweilige Vorstellung von Heimat für den Einzelnen dabei ganz unterschiedlich. Hinzu kommt, dass sich uns dies vor allem durch Bilder – oftmals unbewusst – eingeprägt hat und wir damit einer Sache ausgesetzt sind, der wir kritisch begegnen müssen. Die Technik der Fotografie spielt also eine ganz wichtige Rolle dafür, wie Vorstellungen und Denkmuster entstehen. Durch die Beschäftigung mit den Fotografien und ihren Themen, durch die Kunstvermittlung oder auch durch den Besuch des Rahmenprogramms wollen wir Sie nun anregen, an jener Diskussion teilzunehmen, die wir zur Lösung der aktuellen Herausforderungen in unserer Zeit aufnehmen sollten. Gerade als interkommunaler Zusammenschluss wollen wir mit unseren jährlich entwickelten Kulturprojekten dazu beitragen. So veranstalteten wir etwa 2002 den Kongress „Kulturelle Globalisierung und regionale Identität“ in Ludwigsburg und kamen dort durch wissenschaftliche und kulturpolitische Standpunkte dem Begriff regionale Identität auf die Spur. Im vergangenen Jahr baten wir im Projekt „Kommen und Gehen – Internationalität der Region Stuttgart“ einige der Menschen, die aus 173 Nationen stammend unser hiesiges Zusammenleben prägen, sich zu äußern. In der Region Stuttgart leben zurzeit 2,6 Millionen Menschen: manche wurden hier geboren, andere sind aus nah und fern hierher gekommen. Ob sie alle die Region Stuttgart als ihre aktuelle Heimat bezeichnen würden, wissen wir nicht. Wenn wir also mit unserem diesjährigen Projekt „… und grüßen Sie mir die Welt / fotografierte Heimaten“ ein durchaus nicht einfaches Thema aufgreifen, dann in der Absicht, einen weiteren Beitrag zur Frage zu liefern, ob und wie es gelingt, sich mit dem Umfeld, in dem man lebt, zu identifizieren und sich hier zuhause zu fühlen. Wir wollen mit Ihnen gemeinsam weiter darüber diskutieren, wie heute ein kritisch aufgeschlossener Umgang mit den Begriffen Heimat und Identität möglich ist. Das wunderbare Freilichtmuseum Beuren, in dem unsere Eröffnung heute stattfindet, ist der ideale Startpunkt, sich mit unseren Themen Heimat und Fotografie zu beschäftigen. Zum einen kann man nämlich genau hier an diesem herrlichen Ort verstehen, was ein Museum ausmacht und was den Unterschied zu einem gewachsenen Ortskern. Das Museum verfolgt unter anderem die Aufgabe: Historie zu reflektieren beziehungsweise sie so zu rekonstruieren und zu inszenieren, damit sie erfahrbar wird. Es trägt dazu bei, sich mit Geschichte im Bezug zu unserer heutigen Gegenwart zu beschäftigen und liefert damit auch diverse Facetten, wie Heimat und Identität bestimmt werden können. Zum Schluss richte ich meinen herzlichen Dank An unsere Projektleiterin Frau Trunk, die zusammen mit der Geschäftsstelle und unseren Mitgliedsstädten ein solch hervorragendes Programm entwickelt und umgesetzt hat; An unsere Mitgliedsstädte, die sich mit großem Engagement an unserem diesjährigen Projekt beteiligen; An alle Künstlerinnen und Künstler, für ihre großartigen Arbeiten, die in den Städten zu sehen sind; An alle Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittler, die helfen, die Diskussion in Gang zu bringen; Noch einmal an die Künstlerinnen und Künstler von „Kinder der Sonne“ für ihren wunderbaren heutigen Beitrag; An den Verband Region Stuttgart, der mit seiner bewährten Projektförderung maßgeblich dazu beigetragen hat, das Unternehmen „… und grüßen Sie mir die Welt / fotografierte Heimaten“ zu realisieren; Und an die Stiftung der Landesbank Baden-Württemberg für ihre großzügige Unterstützung. Und uns allen wünsche ich jetzt einen angenehmen Nachmittag, vielen Dank! |
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