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  Dokumentation // Workshop 3

alba Kultur, Köln
Birgit Ellinghaus

alba Kultur setzt den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Weltmusik. Es sind drei große Arbeitsbereiche zu unterscheiden:

Im ersten Bereich des Kulturmanagements werden KünstlerInnen und Bands komplett bei ihren live Produktionen und Auftritten weltweit betreut. Diese Bands sind zum Teil hier in Deutschland ansässig und könnten durchaus auch als Musiker mit Migrationshintergrund gelten. Sie definieren sich aber vorrangig als Künstler mit universellem künstlerischen Anliegen und Themen. Ihre Nationalität, Herkunft oder Religion ist für ihre Arbeit nicht das wesentliche identitätsstiftende Element.

Der zweite Arbeitsbereich befasst sich mit der Produktion von Tonträgern. Dabei werden CDs mit akustischer zeitgenössischer Musik produziert.

Der dritte Arbeitsbereich befasst sich mit der Realisierung von Spezialprojekten im Sinne von Veranstaltungsreihen und Festivals. Als Beispiele werden hier die Konzertreihe Klangkosmos Weltmusik und Musik der imaginären Türkei kurz vorgestellt.

Die Konzertreihe Klangkosmos Weltmusik findet während 10 Monaten pro Jahr in ca. 10-–12 Städten NRWs statt. Die Idee entstand, als die katholische Stadtkirche Köln ein offenes Haus gegenüber dem Kölner Dom gründete als Zentrum für Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit. Gewünscht wurde ein Beitrag zum Kulturprogramm, der der Vielfalt der internationalen Besucher des Kölner Doms entspricht. Daraus entwickelte sich eine monatliche Konzertreihe mit Musikgruppen und zeitgenössischen Musiken aus verschiedenen Kulturen der Welt. Die Konzerte sind kostenlos und am Nachmittag, sodass ein möglichst diverses Publikum erreicht wird. Diese Konzerte werden mit einer kleinen Einführung in die musikalischen Qualitäten und Instrumente und in den künstlerischen Hintergrund der MusikerInnen einleitend moderiert. Nach jedem Konzert besteht die Möglichkeit, mit den KünstlerInnen ins Gespräch zu kommen.
__ Die Idee dieser Konzertreihe gewann nach einiger Zeit auch die Aufmerksamkeit anderer kirchlicher und kommunaler Veranstalter in NRW. Gegenwärtig finden Konzerte monatlich in 10 Städten statt und werden in einige Städte durch Workshops an den Schulen begleitet, wo Schüler die Möglichkeit haben die KünstlerInnen kennen zu lernen, über ihre Musik und ihre Kultur mehr zu erfahren.

Ein solches Veranstalternetzwerk hat sich bis jetzt sehr bewährt, da dabei zwei Aspekte berücksichtigt werden: Zum einen werden die Kosten geteilt, um die Reise der Musiker aus ihren Heimatländern zu ermöglichen, zum anderen bekommt diese Veranstaltung in den Medien eine größere Aufmerksamkeit je mehr Städte sich beteiligen. Sie werden regelmäßig in Printmedien, Rundfunk und im den Regionalsendungen des WDR3 TV mit Berichterstattung und Programmhinweisen berücksichtigt, ohne eine große Werbemaschinerie laufen lassen zu müssen. Was die Förderung betrifft, so wird diese Konzertreihe erst seit September 2003 vom Kultursekretariat NRW Gütersloh mit einem kleinen Zuschuss gefördert. Es wird jedoch versucht, die Diskussion um die Förderung von Weltmusik durch öffentliche Institutionen weiter zu treiben.

Die Konzertreihe Musik der imaginären Türkei wurde im Jahr 2003 durchgeführt. Der Musikwissenschaftler Dr. Martin Greve, der sich seit über 15 Jahren mit der Musik türkischer Provenienz, sowohl hier in Europa als auch in der Türkei beschäftigt, hat in seinem zuletzt erschienenen Buch „Musik der imaginären Türkei“ eine erste systematische Untersuchung der Musiken der Türkei in Deutschland durchgeführt. Dabei hat er sechs große Themenkomplexe herausgearbeitet: Deutsche und türkische Musiker in interkulturellen Musikprojekten, Anatolische Volksmusiktraditionen, Türkische Profimusiker in Deutschland (Hochzeitskapellen), Transnationale Vermarktung türkisch-deutscher Musik und ihre Schwierigkeiten: Türk Pop & Jazz, türkische Weltmusik; Türkische Kunstmusiken, Die Musik des sunnitischen Islam und des Alevismus.

alba Kultur entwickelte das Konzept für eine 6-teilige Veranstaltungsreihe, in der die sechs Themenkomplexe mit Vorträgen von Dr. Martin Greve sowie durch entsprechende Konzerte und anschließende Publikumsdiskussionen illustriert werden sollten. Es wurde in NRW nach Bands gesucht und diese auch gefunden, die die entsprechenden Musikrichtungen und -stile bzw. Themenbereiche exemplarisch vertreten. Die Veranstaltungsform ermöglichte eine umfassende Partizipation der Künstler mit türkischem Migrationshintergrund, aber auch der Konsumenten „türkischer Musik“ sowie der Medien im Land.

Interessanterweise stellte sich heraus, dass die am Projekt beteilten Städte in NRW jeweils für einen anderen Teil der „imaginären Türkei“, d.h. für einen spezifischen Musik- und Thementypus stehen und sich damit die demographischen Verhältnisse im Land in der künstlerischen Artikulation widerspiegeln.


Stand 22. Juni 2004
 
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