Zukunftsmusik - Projekt 2010

23. Juli 2010

 

 

 

Zukunftsmusik – Ein Festival innovativer Musik in der Region Stuttgart

 

Im Herbst dieses Jahres laden die Veranstalter KulturRegion Stuttgart und Musik der Jahrhunderte mit dem Netzwerk Süd* vom 1. bis zum 10. Oktober zu dem einmalig stattfindenden Festival Zukunftsmusik ein: 12 Komponisten der jüngeren Generation haben musikalische Projekte für 12 Städte der KulturRegion Stuttgart entworfen und dabei besondere Merkmale oder Talente des jeweiligen Ortes sowie aktuelle Themen wie Strukturwandel, Umverteilung, Veränderung der Arbeitswelt und Migration einbezogen.

 

Die Komponisten und die Menschen, die bei ihren Projekten mitwirken, verlassen den klassischen Konzertbetrieb und betreten Neuland zwischen Musiktheater, Happening, Performance, Installation und durchkomponiertem Konzert.

 

Paolo Perezzani mit einem Stück über das Hören in Ostfildern

Um die Stille, das Hören und das Entstehen von Musik geht es dem italienischen Komponisten Paolo Perezzani in "Au bord du sens" (Text Jean-Luc Nancy). Den Zuschauer erwartet ein Raum-Erlebnis inmitten von acht Gesangssolisten, vier Schlagzeugern, vier Jugendorchestern und acht Chören (1. Oktober, 20 Uhr, Ostfildern).

 

Johannes Kreidler mit einem Demonstrationszug durch Esslingen am Neckar

Am 1.4.1894 wurde in Esslingen das erste Arbeitsamt Deutschlands eröffnet. Johannes Kreidler spiegelt in seinem Happening "Arbeitsmarktplatz Esslingen" das Thema Arbeitsverteilung mit unterschiedlichstem Einsatz von Musikern bei einem Demonstrationszug aus Robotern, einer Blaskapelle sowie Gesangssolisten und Instrumentalisten (2. Oktober, 12 Uhr, Esslingen). 

 

Mario Verandi mit Geschichten von Migranten in Backnang

Der argentinische Komponist Mario Verandi hat Geschichten von Menschen mit Migrationshintergrund aufgenommen, gesammelt und in einer Klanginstallation mit 12 Horn-Lautsprechern so arrangiert, dass jeder Zuhörer einen anderen Teil der Komposition hört – und so das Fehlen eines globalen Gedächtnisses symbolisiert (2. Oktober, 15.30 Uhr, Backnang).

 

Gordon Kampe mit szenischen Nachtstücken in Rechberghausen

Von "Chamäleons und Pelikanen" – oder im übertragenen Sinn von Unerwartetem und Rätselhaftem – ist in den Erzählungen die Rede, die der Gemeinderat von Rechberghausen Gordon Kampe anvertraut hat. Mit dem Video-Künstler Stefan Kreitmayer entwickelt Kampe daraus szenische Nachtstücke, die Solisten von ascolta in einer Gruft, am Flussufer und auf brachliegenden Feldern uraufführen (2. Oktober, 19 Uhr, Rechberghausen).

 

Niklas Seidl mit Inhaftierten der JVA Gotteszell in Schwäbisch Gmünd

Bei einem Workshop im August reflektieren acht inhaftierte Frauen der JVA Gotteszell gemeinsam mit dem Komponisten Niklas Seidl, dem Dramaturgen Jan Rohwedder und dem Klangregisseur Felix Dreher ihr Leben hinter Gittern. In einer Musikperformance mit Video "Über den Zaun der Nachbarie" stellen sie das Ergebnis dieses Dialogs vor (3. Oktober, 13.30 Uhr, JVA Gotteszell).

 

Sergej Newski mit einer Prozession auf die Burgruine Hohenstaufen bei Göppingen

Auf die Burgruine Hohenstaufen zieht das Publikum mit mehreren Blaskapellen und den Neuen Vocalsolisten. Der russische Komponist Sergej Newski bezieht sich mit dieser Prozession auf Friedrich II., den man als frühen Global Player bezeichnen könnte. Newski arbeitet dabei mit der Gleichzeitigkeit verschiedener Klangschichten, die sich in der Wahrnehmung des Zuhörers überblenden (3. Oktober, 17 Uhr, Burgruine Hohenstaufen).

 

Hannes Seidl und Daniel Kötter mit einem Parcours durch das Klett Areal in Stuttgart

Auch in "Galerie" der Komponisten und Videokünstler Hannes Seidl und Daniel Kötter geht es um das Labyrinth der eigenen Wahrnehmung, wenn der Zuhörer einen einsamen Parcours durch die verlassenen Räume des Stuttgarter Klett Areals durchläuft, während die Geräusche aus der geschäftigen Arbeitswelt zu hören sind (5. bis 7. Oktober, jeweils 17 Uhr, Stuttgart, Klett Areal).

 

Maximilian Marcoll mit einer temporären "Umverteilung" in der Stadt Ditzingen

Nicht Kapital, sondern Klänge verteilt Maximilian Marcoll in seiner Klanginstallation von einem Ort zum anderen um. Den Ditzinger Bürgern abgelauscht in ihren Geschäften, Vereinen, Schulen, Kirchen und Ämtern, bekommen sie im neuen Zusammenhang einen anderen Sinn (7. Oktober, 10 Uhr bis 8. Oktober, 18 Uhr, Ditzinger Kernstadt).

 

Werner Cee mit einem Klangporträt der Stadt Ludwigsburg

"Welche Bedeutung hat das Leben an einem bestimmten Ort?", fragt sich Werner Cee. Von Liebesgeflüster bis zu Hundegebell reichen die Lebensäußerungen, die Studierende der PH Ludwigsburg in ihrer Stadt gesammelt und dokumentiert haben. Werner Cee verdichtet diese Ausschnitte zu einem Klangporträt der Stadt Ludwigsburg: "Alltags(Ver)Dichtung". Diesem fügen vier Videos eine Bildwelt hinzu (7. Oktober, 20 Uhr, Karlskaserne Ludwigsburg).

 

Christoph Ogiermann mit über 400 Musikern in der Innenstadt von Waiblingen

Christoph Ogiermann entwickelt einen klanggewaltigen Cluster, der sich auf dem Ton "e" aufbaut; das Bremer Musiktheatertrio KLANK inszeniert dazu einen Sternmarsch von über 400 Musikern zum Waiblinger Marktplatz. Dessen Anwohner stimmen sich mit ihren Stereoanlagen in diesen "StadtKLANK" ein (8. Oktober, 18 Uhr, Waiblingen Altstadt).

 

Annesley Black mit Badminton-Spielern in Remseck am Neckar

Zusammen mit der Performancekünstlerin Hazel Meyer und Mitgliedern der Badminton-Abteilung des SGV Hochdorf komponiert die Kanadierin Annesley Black "Schlägermusik", ein Stück mit unvorhersehbaren Regelbrüchen um die Zusammenhänge von Arbeit und Freizeit sowie Sport und Musik (9. Oktober, 15 und 17 Uhr, Remseck).

 

Alan Hilario mit einer Koch-Performance in Leonberg

In "sini(n)gang mix" des philippinischen Komponisten Alan Hilario mit dem Trio kina manang geht es um kulturelle Identität: Im Rahmen einer Koch-Show werden Geschichten, Anekdoten und die Historie der Philippinen erzählt, als Videotext eingeblendet und durch ein Schattenspiel kommentiert. Wie in Asien üblich, mündet die Performance in ein kommunikatives Fest (9. Oktober, 20 Uhr, Leonberg).

 

Veranstaltungen im Theaterhaus Stuttgart

Konzerte im Theaterhaus Stuttgart ergänzen das Festival, so zeigt im Rahmen des europäischen Kulturprojekts ENPARTS der italienische Komponist Matteo Franceschini das "Tagebuch eines Aufschreis" und der spanische Komponist César Camarero erzählt "Von den Dingen und ihrer Ordnung" ( 6. Oktober, 20 Uhr).

Die Neuen Vocalsolisten decken in Sandeep Bhagwatis "Atish-e-Zaban" die Mechanismen von Teamwork auf (7. Oktober, 17.30 Uhr).

Hannes Seidl und Daniel Kötter präsentieren am Abschlusstag ein "Freizeitspektakel", in dem ein Croupier, ein Bademeister, ein Reisebüro-Kaufmann, ein Porscheverkäufer und ein Fitnesstrainer von jeweils einem Sänger gedoubelt werden.

Das Ensemble ascolta phantasiert zusammen mit der Komponistin Jennifer Walshe über die Welt im Jahre 2978, und das SWR Vokalensemble und die Andreaskantorei Obertürkheim kann man zusammen mit einem neuen Werk von Rupert Huber erleben (10. Oktober, 19 Uhr).

 

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Die Open Air-Veranstaltungen sind kostenlos, für alle anderen Veranstaltungen gibt es ab 1.9.2010 Karten, Tel.: 0711 . 40 20 720

 

 

*Netzwerk Süd ist ein Projekt von Musik der Jahrhunderte und ihren Partnern in der Metropolregion Stuttgart im Rahmen des Netzwerk Neue Musik, ein Förderprojekt der Kulturstiftung des Bundes.

 

 

KulturRegion Stuttgart e.V. | Am Hauptbahnhof 7 | 70173 Stuttgart

 

und

 

Musik der Jahrhunderte e.V. | Siemensstraße 13 | 70469 Stuttgart

 

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