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Februar 2014

in medias res: Die Frage

Die Frage: Eiche oder Mimose? Wie beschreiben Sie die Kultur in der Region Stuttgart?

 

»Schauen wir uns um: Große, altehrwürdige Eichen ragen in die Höhe, gleich staatlich geförderten Kultureinrichtungen. Zwischen den Wurzeln siedelt eine Vielzahl kleiner, flexibler Kulturvereine und in den Lücken schießen Wildtriebe der freien Szene empor. Das alles ergibt ein reicheres Bild als der Gegensatz von Groß und Klein, dauerhaft und empfindlich, »Eiche und Mimose«. Kultur in der Region Stuttgart lebt als komplexes Ökosystem: Sie besticht durch Artenvielfalt und funktioniert durch die Wechsel-wirkungen ihrer Lebensformen. Mutationen einzelner und neue Symbiosen sorgen dafür, dass dieses System lebendig und überlebensfähig bleibt.

Eine solche Kulturszene bedarf Biotope der künst-lerischen Entfaltung und der Pflege von besonderen Nischen für die Begegnung von Kulturschaffenden, Unternehmern, Politikern und Bürgern. Nicht nur Dickstämmige oder Zartblättrige sind gefragt, sondern auch Neugierige, Anreger und Beweger, die Saatkörner über den Zaun werfen und Ideen-Ableger nebenan verwurzeln.

Einer dieser Ideengeber ist Cornelius Wandersleb, der das städtische Kulturhaus Schwanen in Waib-lingen seit 13 Jahren als Haus der Begegnung, Unterhaltung und als Einrichtung der »scheuklappenlosen Bildung« führt. Es bietet ein Podium für Kulturformen gesellschaftlicher Minderheiten und regt den Dialog von disparaten gesellschaftlichen Gruppen an. Wildwuchs willkommen!

Die »Arbeitsgruppe Melchiorareal« setzt in Nürtingen mit ihrem coevolutionären Ansatz neue Akzente in der Diskussion über Stadtentwicklung. Ihre Initiative vereint Akteure aus Kunst, Kultur und Bildung und macht sich für ein gemeinsames Zentrum auf dem Areal am Neckarufer in Nürtingen stark.

Auch wir als Verein KulturRegion Stuttgart hegen mit unseren 40 Mitgliedskommunen das Miteinander kleinerer und größerer Kulturgewächse. In diesem Jahr lässt die KulturRegion Stuttgart mit dem Pro-jekt »Garten Eden« vielfältige Visionen vom Paradies Wirklichkeit werden und zeigt, wie das »kulturelle Ökosystem« der Region Blüten treibt. Bei über 100 Veranstaltungen in 28 Kommunen präsentieren sich vom 16. Mai bis 28. September künstlerische Eichen und Mimosen, Palmen und Orchideen in paradiesischer Vielfalt.«