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Lichtkunstfestival

16.9.–9.10.2016

Vom 16. September bis zum 9. Oktober findet das Lichtkunstfestival „Aufstiege“ der KulturRegion Stuttgart in 27 Städten und Gemeinden statt. Nach Einbruch der Dunkelheit lassen sich drei  Wochen lang Installationen und Projektionen auf zahlreichen Treppen und Anstiegen entdecken. Joachim Fleischer, Stuttgarter Lichtkünstler und Kurator des Festivals, hat

KünstlerInnen aus zehn Nationen eingeladen, sich von den Aufstiegsorten der Region inspirieren zu lassen. Die über 40 Licht- und IntermediakünstlerInnen entwickeln spezifische Arbeiten für Stäffele, Freitreppen, Türme oder Unterführungen. Die Kunstwerke überraschen an frei zugänglichen Orten von Herrenberg bis Schwäbisch Gmünd und Bietigheim-Bissingen bis Bad Urach.

Martin Hesselmeier und Andreas Muxel

Das deutsch-österreichische Künstlerduo Martin Hesselmeier und Andreas Muxel setzt sich mit reaktiven Lichtinstallationen innerhalb der menschlichen Wahrnehmungsgrenzen auseinander. Ihre Arbeiten befassen sich mit der Materialität des Immateriellen. 2015 gewann ihr Werk »the weight of light« den ersten Preis des International Light Art Award. Schon der Titel des Werks behandelt einen scheinbaren Widerspruch: Licht und Schwerkraft. Die Arbeit stellt ein gedankliches Experiment dar, das in einer Laboranordnung bildhaft wird. Für die große Freitreppe St. Michael in Schwäbisch Hall entwickeln sie eine neue, ortsspezifische Arbeit.

Ort

Freitreppe St. Michael, Schwäbisch Hall

Herkunftsland

Deutschland / Österreich

© Martin Hesselmeier

Ryoji Ikeda: Test Pattern [n°10]

© Wonge Bergmann

Ryoji Ikeda gehört zu den führenden Klang- und Videokünstlern weltweit. In seiner Werkreihe „Test Pattern“ konfrontiert er den Besucher mit unserer digitalen Datenwelt. „Test Pattern“ ist ein System, in dem Daten jeglicher Form wie Bilder, Musik oder Text in binäre Codes und Barcodes umgewandelt werden. Aus diesem Material entstehen raumgreifende Installationen, mit denen er die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung auslotet und Codes in eine sinnlich erfahrbare Ebene transportiert. Ikeda komponiert nicht nur den Sound minutiös, sondern verleiht auch der Bildabfolge eine präzise Rhythmik. Die Arbeit „Test Pattern [n°10]“ soll auf der Bühne der Akademie der Darstellenden Künste Ludwigsburg gezeigt werden, dem architektonischen Herzstück der Akademie.

Ort

Akademie der Darstellenden Künste Ludwigsburg

Herkunftsland

Japan

Website des Künstlers

Michaela Gleave: We are made of stardust

Die australische Künstlerin Michaela Gleave entwickelt für den Grafenberg einen leuchtenden Schriftzug, der für die Bewohner von Schorndorf bei Tag und Nacht sichtbar sein wird. In ihrer Arbeit ist häufig das Universum Gegenstand der Betrachtung. Ihre Installationen lassen uns die Beziehung zu unserer Umgebung hinterfragen, was wir als Realität begreifen und wie wir unsere Präsenz darin einschätzen. Die Zeile „We are made of stardust“ erinnert den Betrachter an die menschliche Vergänglichkeit und lässt das individuelle Streben nach Fortschritt und Weiterentwicklung ins Unwesentliche zerfallen. Gleichzeitig bietet das Bild des Sternenstaubs Spielraum für unsere Hoffnungen und Wünsche.

Ort

Grafenberg, Schorndorf

Herkunftsland

Australien

Website der Künstler

Robert Seidel: lithops

© Remy Ogez

Robert Seidel setzt sich in seinen Arbeiten oft mit historischen Räumen und Skulpturen auseinander. Mittels Videoprojektion überzeichnet er diese mit Licht und versetzt sie in Bewegung. Seine Überschreibungsprozesse sind dabei sensible Annäherungen an vermeintlich Vergangenes in zeitlichen als auch sichtbaren Schichtungen. An der Felsenkapelle St. Salvator in Schwäbisch Gmünd treffen seine Projektionen auf ein historisches Umfeld aus dem 17. Jahrhundert. Das fließende Licht lässt immer wieder Fragmente der ungewöhnlichen Architektur erkennen und löst sie temporär in Prozessen auf. Seidel interessiert dabei die abstrahierte Schönheit, die durch visuelle und wissenschaftliche Techniken entsteht. Damit erschafft er zeitlose Bilder. Seidel arbeitet als Künstler und Kurator in Berlin.

Ort

St. Salvator, Schwäbisch Gmünd

Herkunftsland

Deutschland

Website des Künstlers

Christine Camenisch und Johannes Vetsch

Die Schweizer Künstler Christine Camenisch und Johannes Vetsch beschäftigen sich mit einem grundlegenden Merkmal des Mediums Video: In ihren Installationen projizieren sie geometrisch geformtes und bewegtes Licht in einen Raum. In Leinfelden-Echterdingen führen sie die Passanten mit minimalistischen, animierten Lichtstreifen durch die Unterführung der S-Bahn-Station Leinfelden. Ihr Werk schafft neben einem puristischen und ästhetischen Erlebnis, das ohne jegliche Modulation und Schmuck auskommt, einen für den Passanten physisch wahrnehmbaren, sich stetig bewegenden Lichtraum.

Ort

S-Bahn-Station Leinfelden, Leinfelden-Echterdingen

Herkunftsland

Schweiz

Website der Künstler
© Christine Camenisch und Johannes Vetsch

Mischa Kuball: view point, 2016

© Archiv Mischa Kuball, Düsseldorf, VG Bild-Kunst Bonn

Mischa Kuball, der Anfang 2016 mit dem Deutschen Lichtkunstpreis ausgezeichnet wurde, konzipiert eine ortsspezifische Arbeit für die weitläufige Landschaftstreppe im Scharnhauser Park in Ostfildern. Kuballs Interesse am öffentlichen Raum gilt dessen Bedeutungen und Wertungen, die er in zeichenhafte Systeme umwandelt. In Ostfildern thematisiert er die Nah- und Fernsicht. Er plant eine Treppe als Tribüne zum gemeinsamen Wahrnehmen einer bestehenden Treppe. Gleichzeitig ermöglicht dieser Ort den Fernblick auf ein bekanntes Zeichen, das Piktogramm eines Aussichtspunktes. Der Blick auf das Entfernte, auf die Idee und das Zeichen des „view point“ relativiert unseren Standpunkt und unsere Interpretation dessen. Er lenkt den Blick auf Gewohntes, dem in dieser Inszenierung eine neue Wertung verliehen wird.

Ort

Landschaftstreppe Scharnhauser Park, Ostfildern

Herkunftsland

Deutschland

Website des Künstlers

Boris Petrovsky: Enthemmen und Verbrauchen

Der Konstanzer Künstler Boris Petrovsky setzt sich mit Sprache, Kommunikation und der Frage „Wie entsteht Wirklichkeit?“ auseinander. Er sammelte jahrelang ausrangierte Leuchtreklamebuchstaben und arbeitet mit diesem Material als eine Art „Zeichenvorrat“. Petrovsky öffnet diese analogen, machtvollen Zeichenkörper aus der Wirtschaft einer zivilen Allgemeinheit. Die Frage nach Aneignung und Partizipation wird dabei auf den Betrachter zurückgeworfen. Beispielsweise über SMS kann der Besucher einzelne Buchstaben oder Kurztexte aus dem Zeichenvorrat herauslösen und ihnen Bedeutung verleihen, indem er sie „zum Leuchten“ bringt. Zwischen Fakt und Fetisch, zwischen Sammlerobjekt, Signal und Wertreferenz können diese Zeichenkörper politisch sein. Petrovsky bezeichnet sie als die eigentlichen Konsumobjekte.

Ort

Sindelfingen

Herkunftsland

Deutschland

Website der Künstler
© ONUK

Erik Mátrai: Porticus 3.0

© Erik Mátrai

Der ungarische Künstler Erik Mátrai schafft flüchtige Gebilde, die Fragen nach ihrer Materialität aufwerfen. Für die Treppen vor der Konstanzer Kirche in Ditzingen plant er Säulen aus Licht und Nebel. Als unerwartetes Portal im Außenraum erzeugen sie einen Moment der Irritation. Mátrai setzt sich mit dem Thema der Transzendenz, Transformation und ihrem künstlerischen Ausdruck auseinander. In seinen Arbeiten erscheint Licht als Material und natürliche Phänomene wie Nebel als Träger. Mit seinen technisch einfach gehaltenen („low-tech“), ortsspezifischen Arbeiten ändert er die Perspektive auf bekannte Räume.

Ort

Treppe vor der Konstanzer Kirche, Ditzingen

Herkunftsland

Ungarn

Website des Künstlers

Der künstlerische Leiter Joachim Fleischer

© Franco Jennewein

Joachim Fleischer studierte von 1982 bis 1989 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Bildhauerei bei Jürgen Brodwolf und Intermediales Gestalten bei Sotorius Michou. Seither ist er freischaffend tätig und realisiert Arbeiten über Licht, Lichtinstallationen, Kunst am Bau, Licht im Raum sowie Arbeiten über Licht und Robotik. Darüber hinaus ist er als Regisseur für Theater und Performance hervorgetreten.

Von 1990 bis 2012 war er Dozent u.a. an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, an der Universität Greifswald, an der EFH Darmstadt und an der Dualen Hochschule Ravensburg.

Joachim Fleischer wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und setzte Projekte u.a. für die Kunstsammlung Schwarzenbach in Zürich, die Stadt München, das Max-Planck-Institut in Tübingen oder das Jubiläum des Ulmer Münsterturms um. International trat er u.a. mit Ausstellungen in Basel, Graz, Budapest, Reykjavik, Bristol, Barcelona und Tokio in Erscheinung. Er lebt und arbeitet in Stuttgart.

Die teilnehmenden Städte

Nach einer Eröffnungsveranstaltung zur Halbschatten-Mondfinsternis am 16. September 2016 in Stuttgart werden in 27 Kommunen der KulturRegion Stuttgart drei Wochen lang Lichtkunstwerke an öffentlichen Orten zu erleben sein. 

Teilnehmende Städte A–L

Backnang
Bad Boll
Bad Urach
Bietigheim-Bissingen
Böblingen
Ditzingen
Filderstadt
Gerlingen
Göppingen
Herrenberg
Kornwestheim
Leinfelden-Echterdingen
Leonberg
Ludwigsburg

Teilnehmende Städte M–Z

Murrhardt
Nürtingen
Ostfildern
Remseck am Neckar
Schorndorf
Schwäbisch Gmünd
Schwäbisch Hall
Sindelfingen
Stuttgart
Vaihingen an der Enz
Waiblingen