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Scala © Zilla Leutenegger

Treppe am Rathaus, Schorndorf

Zilla Leutenegger: »Scala«

Eine Frau sitzt auf einer Treppenstufe, sie spielt mit ihren Fingern, wippt mit den Beinen, umfasst ihre Hände mit den Knien. Sie scheint auf etwas zu warten, sich zu langweilen. Ihr Nichtstun jedoch ist ein scheinbares Nichtstun, der unruhige Geist manifestiert sich in den beiläufigen Bewegungen des Körpers. Mit ihrer Videoinstallation „Scala“ verwickelt die Züricher Künstlerin Zilla Leutenegger den Betrachtenden in ein Spiel von Realität und Fiktion. Mithilfe eines Videoprojektors wirft sie den schwarzen Umriss einer sitzenden Frau so geschickt an die Mauer, dass der projizierte Schatten auf der realen Treppenstufe zum Sitzen kommt. Unwillkürlich blickt man sich nach dem Ursprung des Schattens um, doch eine reale Person ist nirgends zu entdecken. Ein Moment der Irritation entsteht. Eine zusätzliche Realitätsebene bringt der Betrachter selbst ins Werk.

Bewegt er sich direkt vor dem Projektor, erscheint auch sein eigener Schatten innerhalb des hellen Spotlights. Durch das Zusammenspiel von Licht und Abwesenheit von Licht entsteht eine Schattenzeichnung, eine Schattenfigur.

Die Frau, die auf der Treppe sitzt, ist die Künstlerin selbst und gleichzeitig eine Form, ein Umriss, eine Metapher, die für das allgemein Menschliche steht. Leutenegger arbeitet mit figurativen und erzählerischen Motiven und Strukturen und erzeugt trotzdem abstrakte Sinn-Anstöße. Mithilfe von Licht und Dunkel inszeniert sie an der Schorndorfer Rathaustreppe Grundfragen menschlicher Existenz: Wer bin ich und was tue ich hier? Was ist echt und was ist Schein?

Die Künstlerin

Zilla Leutenegger wurde 1968 in Zürich geboren, wo sie auch heute lebt und arbeitet. Von 1995 bis 1999 studierte sie Bildende Kunst an der Züricher Höheren Schule für Gestaltung und Kunst. In ihrem Werk verbindet sie verschiedene künstlerische Herangehensweisen. So arbeitet sie häufig mit per Video projizierten Zeichnungen und bezieht reale Gegenstände und Raumgegebenheiten in ihre Installationen mit ein. Thematisch setzt sie sich bevorzugt mit Alltagsphänomenen auseinander. Als fiktionale Figur tritt sie teils selbst in ihrem Werk in Erscheinung. So konnten Besucher der Ausstellung „Ring my Bell“ in der Pinakothek der Moderne 2015 Leutenbergers gezeichnetes Alter Ego „Z“ in einer teils realen, teils projizierten Apartmentumgebung bei Alltagsverrichtungen beobachten.

Herkunftsland

Schweiz

Website der Künstlerin

Der Ort

Die historische Altstadt mit ihren schönen Fachwerkhäusern steht heute unter Denkmalschutz. Das 1726 von Georg Friedrich Majer im Barockstil erbaute Rathaus von Schorndorf ist ein Wahrzeichen der Stadt auf dem Marktplatz. Seit seiner Errichtung wurde das Gebäude durchgängig als Rathaus genutzt. Pittoreske Fachwerkkulissen und malerische Gassen rund um das Rathaus prägen die Altstadt und das Zentrum von Schorndorf.

Adresse

Marktplatz 1
73614 Schorndorf

Öffnungszeiten

Treppe jederzeit zugänglich

Lichtkunst

bis 09.10.16 täglich von 20:00 bis 24:00 Uhr