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05.09.2014

»Ach, läge Stuttgart doch am Meer...«

© die arge lola, Kai Loges

Die Idee der paradiesischen Gärten habe sie elektrisiert, erzählt Antonie Fröhlich: »Welcher Garten, wenn nicht unserer, könnte ein paradiesischer Garten sein?« Und in der Tat, der Esslinger Garten mit den von Obst schwer beladenen Bäumen, den Beeten mit Blumen, Gemüse und wuchernden Kräutern ist ein wahres Paradies. Nach Einbruch der Dunkelheit verwandelte sich dieses Paradies in eine Unterwasserwelt – und in eine Figurentheaterbühne.

»Ach, läge Stuttgart doch am Meer…« hatte voll Sehnsucht und Fernweh die Kronprinzessin Olga von Württemberg im Jahr 1853 in einem Brief an ihre Mutter geschrieben. Diese Sehnsucht kennt auch Antonie Fröhlich. Anders als die Kronprinzessin ließ Frau Fröhlich den scheinbar unerfüllbaren Traum für einen Abend wahr werden. Mit einer von den Figurenspielerinnen Lisa Remmert und Johanna Pätzold entwickelten Inszenierung und selbstgebauten Figuren wurde die Veranstaltung im Garten zum Meeresabenteuer.

Durch den Abend führte das liebenswürdige Meeresungeheuer Siegfried mit koketten Kommentaren. Lisa Remmert und Johanna Pätzold als auf Seepferdchen reitende Nixen legten einen mal anmutigen und mal kecken Tanz vor, neckten hier den durchs Bild laufenden – realen – Kater und kosteten dort von den paradiesischen Äpfeln. Meisterhaft stellten die Spielerinnen dabei gleichzeitig Seepferd und Nixe dar. Tänzerisch gestaltete sich auch der Auftritt der als Aqua Girls angekündigten liebevoll gestalteten Fischfiguren, die hell strahlend und schimmernd durch das Dunkel der Nacht sausten. Mit Herrn Schmidt, im Zwiegespräch mit seiner Quietscheente in der Badewanne begriffen, wurde den Zuschauern ein Mensch »wie du und ich« vorgeführt, der dem Element Wasser weniger am brausenden Meer als vielmehr im eigenen Badezimmer begegnet.

Abstrakte Licht-Spiele zauberten die Künstlerinnen an ein zwischen den Bäumen aufgehängtes Betttuch. Mithilfe von Overhead-Projektor und Wasserschüssel entfaltete sich im dunklen Garten auf dem strahlenden Betttuch ein Farbenmeer. Zum Abschluss forderte Antonie Fröhlich das immaterielle Element Licht zum Tanz heraus. Mit einer reflektierenden Folie, die Fröhlich behutsam bewegte, warf sie einen schillernden Lichttanz an die Wand des Hauses.

Verwöhnt wurden die Gäste mit den Früchten des Gartens: Schüsseln voll Apfelschnitze und Pflaumen standen zum Naschen bereit. Mit Limonade, zubereitet mit frischer Minze aus dem Garten, Holundersirup und Limetten, konnte man Sommer und Strand schmecken. Der nächtliche Garten von Frau Fröhlich: Obstparadies und Meeresbühne.