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23.09.2014

Bienen. Summen. Jazz.

Durch die Ludwigsburger Alte Gasse schallte am frühen Sonntagabend eine wundervolle Stimme. In dem idyllischen Innenhofgarten von Frau Hager hatte eine Jazz-Kombo ihr Spiel begonnen: das Anne Czichowsky Trio. Trotz des unwirtlichen Wetters waren mehr als 30 Liebhaber von Gärten und Jazz-Musik in das kleine, grüne Paradies gekommen – gerade so viele, wie hineinpassten.

Zwischen einer Palme und Feigenpflanzen in Töpfen, vor Rosensträuchern und der efeubewachsenen Hauswand fanden die Zuhörer ein trockenes Plätzchen unter einem Pavillondach. Anne Czichowsky und ihr Trio, Lorenzo Petrocca an der Gitarre und Axel Kühn am Bass, hatten unter der Marquise Stellung bezogen. Der beschwingte Charme der preisgekrönten Jazz-Sängerin und die spielerische Energie, die die Musiker an den Tag legten, machten das schlechte Wetter bei weitem wett. Vielleicht hätte die Veranstaltung von »Bienen. Summen. Jazz.« zwar in »Regen. Tropfen. Jazz.« umbenannt werden müssen, denn das Summen von Frau Hagers Bienen war kaum zu hören. Aber das Trommeln der Regentropfen passte gut zum Rhythmus von Shaker und Kontrabass.

Anne Czichowsky und das Publikum nahmen die Nässe mit Humor. Sie habe bei der Liedauswahl darauf geachtet, dass in keinem Song das Wort »rain« vorkommt, da sei ihr aber wohl etwas durch die Lappen gegangen, stellte Czichowsky fest. Tatsächlich ging es in den Songs, die sie mit stimmlicher Brillanz und Lust am Spiel interpretierte, eher um die Liebe als das Wetter. Ob bei Cole Porters »Let’s do it, let’s fall in love«, Jimmy van Heusens »I thought about you« oder »I wish you love« von Charles Trenet. Mit virtuosen Soli spielten sich auch Axel Kühn am Bass und Lorenzo Petrocca an der Gitarre in die Herzen der Zuhörer, die unter ihren Schirmen fröhlich mitwippten.   

Ein Sekt in der Pause, Kaffee und Bienenstich, sorgten zusätzlich für das Wohlbefinden der Gäste, denen am Ende von Frau Czichowsky eine ganz besondere Ehre zu Teil wurde. Begeistert von der guten Stimmung der Hörer, die trotz Regen sogar noch Zugabe verlangten, verlieh sie dem Publikum kurzerhand ihren ganz persönlichen Publikumspreis 2014. Mit der Gewissheit, dass ein tolles Jazz-Konzert durch nichts getrübt werden kann, einem Glas Honig von Frau Hager in der Tasche und dem Ratschlag Lorenzo Petroccas, sich eine Kanne Ingwertee zuzubereiten, verließen die Gäste das nasse Paradies rundum beschwingt.