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30.06.2014

Chansons der 20er. Berlin - Böblingen

© Kai Loges

»Dieses Haus hat noch nie so viele Leute auf einmal gesehen«, freute sich die Gastgeberin Federica Steisslinger, als am frühen Sonntagabend die Besucher der Veranstaltung »Chansons der 20er. Berlin – Böblingen« in den Böblinger Künstlergarten strömen. Die Schwiegertochter des Malers und Bildhauers Fritz Steisslinger (1891-1957), die das Werk des Künstlers an dessen Wirkungsort bewahrt, empfängt jeden Gast mit großer Herzlichkeit und ansteckender Begeisterung für sein Werk. Fritz Steisslinger hatte – damals noch fernab der Böblinger Siedlung – in den 20er Jahren seine eigene Villa mit parkartigem Garten entworfen und auf dem Böblinger Tannenberg erbaut. Mit einem Konzert des Chanson-Trios scorbüt machte die KulturRegion Stuttgart diesen Galerie- und Skulpturengarten am 29.06.2014 für 60 Besucher zugänglich.

Durch das gusseiserne Gartentor tretend, ist schon der Blick auf das dreigeschossige Bauwerk, geprägt durch sein Mauerwerk aus Sandstein und die allgegenwärtigen Spitzbögen, beeindruckend. Links und rechts des Weges säumen hohe Bäume, sorgsam gepflegte Blumenrabatten und Brunnen, für die Steisslingers Söhne Modell gestanden hatten, den Weg zum Haus. Das Wetter hielt trotz dichter Wolken und ließ die Gäste den Sektempfang im Freien genießen und sie durch die sommerliche Schönheit des Gartens wandeln. In Kleingruppen konnten die Besucher die Villa besichtigen, die als Wohnhaus und Atelier zusammen mit dem Garten ein Gesamtkunstwerk bildet. Kenntnisreich und begeisternd erzählte Frau Steisslinger von der Willenskraft des Künstlers, dieses Vorhaben umzusetzen, seinen zahlreichen Reisen, seiner bewegten Lebensgeschichte und wie diese seine Kunst beeinflusst hatten.

Bevor die Veranstaltung zum musikalischen Teil überging, entlockte Corinna Steimel, Leiterin der Städtischen Galerie Böblingen, Frau Steisslinger Details zur Berliner Zeit des Künstlers. Obgleich er erst 1922 sein selbstentworfenes Böblinger Anwesen gebaut hatte, zog es ihn 1929 für zwei Jahre mit seiner Familie in die pulsierende Hauptstadt. Welche Musik er dort wohl zu Ohren bekommen hatte, präsentierte anschließend das Chanson-Trio scorbüt. Die charismatische Sängerin Caroline du Bled, Heiko Michels an der Gitarre und Andreas Albrecht an Cajon und Glockenspiel, verwandelten bekannte Chansons aus den 20er bis 60er-Jahren mit Leidenschaft, Ironie und Pathos in neue Hörerlebnisse. Den drei Musikern gelang es mit ihren Interpretationen, das Publikum bei altbekannten Melodien von Marlene Dietrich oder Jacques Brel zum genauen Hinhören und sogar zum Mitsingen zu bringen. Wünsche nach Liebe, Versagensängste oder Träume von der Ferne präsentierte Caroline du Bled mit bezaubernder Hingabe und überzeugender Bühnenpräsenz.

Lange meinte es das Wetter gut und zwischen den dunklen Wolken blitzte sogar das eine oder andere Mal die Sonne durch. Als es gegen Ende des Konzerts dann doch noch zu regnen begann, rückten die Besucher im Zelt enger zusammen und ließen sich von scorbüt musikalisch ans Meer entführen.