Logo KulturRegion Stuttgart

07.07.2014

Die Herzfrequenz der Hängematte

© die arge lola / Kai Loges + Andreas Langen

Am 04.07.2014 wurde Herrn Maiers Garten in Möglingen – ein idyllisches Fleckchen mitten im Asperger Streuobstgürtel – zu einem Paradies der Töne. Etwa 50 Interessierte hatten sich aufgemacht und waren der Einladung der KulturRegion Stuttgart und des Gartenbesitzers ins erste »Private Paradies« gefolgt – trotz des zeitgleichen Viertelfinalspiels Deutschland gegen Frankreich. Den Abend gestaltete der Lieblingsmusiker von Herrn Maier: der Stuttgarter Perkussionist Christoph Haas.  

Unterm Nussbaum führte Haas die archaischen Instrumente vor, die er eigens für diesen Garten ausgewählt hatte: Muschelhorn, Rahmentrommeln und Rasseln aus Samen. Am beeindruckendsten aber war der Berimbau, den Haas vorstellte. Dieser Musikbogen ist aus einfachsten Materialien zusammengesetzt: ein gebogenes Bambusrohr, eine Saite, ein dazwischen geklemmter Kieselstein und ein an den Bogen gebundener kleiner Kürbis als Resonanzkörper. Das Instrument, mit dem schon Jäger und Sammler zu musizieren wussten, klang mal wie eine verzerrte Gitarre, mal so, als entsprängen ihm menschliche Laute.

Haas trat dabei nicht nur mit dem Vogelgezwitscher in Dialog, sondern auch mit dem fernen Vuvuzela-Getröte. Bis in Maiers Garten wurde so auf musikalischem Weg die Nachricht des 1:0 für Deutschland gegen Frankreich übertragen: auch eine Art von archaischer Kommunikation über ferne Tonsignale, die so betrachtet gar nicht so schlecht zu Haas‘ Performance passte.

Nach Flammkuchen aus dem Holzofen, der an den schönsten Plätzchen und in den gemütlichsten Ecken des Gartens genossen wurde, gönnten sich einige Gäste eine Verschnaufpause in der Hängematte. Diese, so erklärte der Hausherr und pensionierte Ingenieur mit verschmitztem Lächeln, habe er so entworfen, dass die Schwingung genau seiner Herzfrequenz entspreche. »Ich lege mich einen Moment hin – und bin sofort weg«.

Am Freitagabend war jedoch nur für ein kleines Schläfchen Zeit, denn Christoph Haas rief schon zum zweiten musikalischen Teil in die obere Hälfte des Gartens. Die Gäste durften sich Instrumente aussuchen: Rahmentrommeln, hölzerne Klangfrösche, Rasseln oder Boomwhacker (bunte Klangstäbe). In einem Mini-Workshop führte Haas das erwartungsvolle Publikum in die Percussion-Kunst ein. Ein erster Trommelwirbel der versammelten Gesellschaft galt dem Hausherrn, der das Lagerfeuer entzündete. Haas verstand es, die ums Feuer Versammelten zu begeistern: Er gab den Boomwhackern ihren Einsatz, räumte den hölzernen Klangfröschen ein Solo ein, feuerte die Trommler an und ließ mal nur die Männer, mal nur die Frauen musizieren. Der Himmel begleitete das Spiel mit dramatischen Wolkenformationen. Nur der Wind wehte durch die Dämmerung, der Regen blieb glücklicherweise aus.

Unterm Mondenschein und mit einem Glas hausgemachten Cidre in der Hand konnten die Gäste den Abend am Feuer ausklingen lassen. 

Weitere Bilder der Veranstaltung finden Sie in der hier.