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18.07.2014

Garten Eden - und wie er sich vermeiden ließe

© die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen

Am 17.07.2014 blieben die Skulpturen im Garten der Galerie Valentien nicht unter sich. Zu Maillols kauernder Frau »La Douleur«, Karl Manfred Rennertz »Goldenem Kristall« und der sich kraftvoll aufbäumenden Figur von Alfred Hrdlicka gesellten sich im Abendsonnenschein ungewöhnliche Instrumente hinzu. Die Brüder Rynkowski und Jakob Dinkelacker hatten die aus Theaterschrott und allerlei gefundenem Material gebauten Klangkörper, die teils selbst wie Skulpturen anmuteten, im Garten angeordnet, um den etwa 60 Gästen ein außergewöhnliches Musikerlebnis zu bereiten. Die über- oder mitunter auch außerirdischen Klänge entführten die Gäste im Galeriengarten in eine andere Welt, unterstützt vom charismatischen Schauspieler Gunnar Schmidt. Der gab den Teufel Screwtape aus C.S. Lewis' Briefroman »Dienstanweisung für einen Unterteufel« und las mit viel Witz und charmantem Sarkasmus die Empfehlungen des teuflischen Onkels an seinen Neffen, den Unterteufel Wormwood.

In der Galerie Valentien, einem der ältesten und renommiertesten Häuser in Stuttgart, konnten die Gäste vor Beginn der Veranstaltung Grafik und Malerei der klassischen Moderne und der Gegenwart bestaunen. Im grünen Skulpturengarten begrüßte die Galeristin Imke Valentien zusammen mit Magdalen Hayes von der KulturRegion Stuttgart die Gäste. Dann begann das sphärische Spektakel. Die Brüder Rynkowski, die ihr skurriles Instrumentarium ursprünglich für eine Produktion des Shakespeare'schen Sommernachtstraums am Badischen Staatstheater Karlsruhe entwickelt hatten, traten damit erstmals unter freiem Himmel auf. Für den Garten Eden und die teuflische Lesung hatten Clemens, David und Florian Rynkowski sowie Schlagzeuger Jakob Dinkelacker eigens mehrere Stücke komponiert. Barfuß und in weißen Schutzanzügen verzauberten sie mit den Klängen, die sie Blumentöpfen, Wannen, schrottreifen Zithern und Kuhglocken entlockten, das Publikum. Neben Bierharfe, Scharnierophon und Nagelorgel kam auch ein Theremin zum Einsatz, das einzige berührungslos zu spielende Instrument der Musikgeschichte – es reagiert auf die elektromagnetische Kapazität des menschlichen Körpers.

Gunnar Schmidt derweil spazierte zwischen Instrumenten und Musikern, Bäumen und Skulpturen hin und her, schmiegte sich mal an jenen steinernen Gesellen, sprang mal dieser kauernden Bronzefigur auf den Rücken und gab dabei genüsslich die unheilvollen Anweisungen des Onkels Screwtape zum Besten.

Nach dem musikalisch-literarischen Teil der Veranstaltung konnten die Gäste die Instrumente sogar selbst ausprobieren. Die Brüder Rynkowski ermutigten die Neugierigen dazu, selbst einmal den Klöppel in die Hand zu nehmen und eine Melodie auf Blumentöpfen zu spielen. Der zwischen zwei Linden schwebende Sputnik, ein kugeliger Klangkörper mit strahlenförmigen Röhren daran, war dabei eine besondere Attraktion. Nach einer kleinen Stärkung, die im Garten gereicht wurde, nutzten die Gäste noch die Gelegenheit, durch die Galerieräume zu flanieren. Gastgeberin und Galeristin Imke Valentien war begeistert: An diesem Abend sei ihr »Geist und Herz durch die Musik geöffnet« worden.