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14.07.2014

Musikalische Soirée

© Daniela Wolf

Mit jedem Blick konnten die Besucher im Atelierhaus und Skulpturengarten der Künstlerin Ursula Stock ein weiteres Faszinosum entdecken: Bronzeskulpturen in Form von Menschenkörpern, Pferdeplastiken von blau bis rostrot und Stühle mit kunstvoll geschaffenen Metalllehnen zogen die Aufmerksamkeit auf sich. Diese wunderbare Kulisse am Stadtrand von Güglingen bespielten junge Stipendiaten der Kunststiftung Baden-Württemberg in einer »Musikalischen Soirée«.

Die Malerin und Bildhauerin Ursula Stock und der 2006 verstorbene Architekt Heinz Rall waren in den 80er-Jahren nach Güglingen gekommen und hatten dort das Ortsbild entscheidend geprägt: Heinz Rall war die treibende Kraft für die Sanierung der Altstadt, Ursula Stock gestaltete Plätze und Gebäude künstlerisch aus. 1987 verlagerten sie ihren Lebensmittelpunkt in die kleine Stadt im Landkreis Heilbronn und zogen in das von Heinz Rall erbaute Wohn- und Atelierhaus, das nun ca. 40 Gästen zugänglich gemacht wurde.

Nach dem ersten Staunen über dieses Kleinod bei einem Glas Sekt, wurde ein imposantes Instrument in den Innenhof geschoben. Die 21-jährige Marianna Bednarska, die an der Musikhochschule Stuttgart klassisches Schlagzeug studiert, überzeugte die Zuhörer auf dem Marimbaphon mit ihren feinsinnigen, aber auch temperamentvollen Interpretationen zeitgenössischer Komponisten. Zuletzt musste sie gegen das aufkommende Donnergrollen anspielen, wodurch sich jedoch weder die Musikerin noch das Publikum von dem mitreißend gespielten »Libertango« von Piazolla ablenken ließ. Die in Stuttgart und Paris lebende Fanny Vicens kombinierte anschließend Stücke aus dem 18. Jahrhundert von Jean-Philippe Rameau mit modernen Werken und erfüllte so den Innenhof mit virtuosen, warmen Akkordeontönen.

Kaum war das Publikum durch eines der vielen Wohn- und Arbeitszimmer in den zweiten angrenzenden Garten gelangt, prasselte der Regenschauer auf Sonnenschirm und Zeltdach nieder. Bei Getränken und Häppchen hofften die Gäste, dass sich bald wieder die Sonnenstrahlen im idyllisch angelegten Gartenteich spiegeln würden. Als keine Aussicht auf Wetterbesserung bestand, funktionierte das Mink-Quartett kurzerhand das verglaste Atelierhaus im Garten zu einer Konzertstätte mit Hausmusikcharakter um. Die Klarinettistin Rebecca Trescher, die alle präsentierten Jazz-Stücke geschrieben hatte, sowie Jochen Pfister am Klavier, Friedrich Betz am Kontrabass und Julian Fau am Schlagzeug begeisterten das Publikum durch ihre ausgefeilte Spieltechnik, emotionale Soli und ihren natürlichen Charme.

Gastgeberin Ursula Stock freute sich über die Klänge aus Klassik, Jazz und Neuer Musik, die ihr Atelierhaus an diesem Abend erfüllt und die musikalische Energie, die die jungen Stipendiaten auf ihre Zuhörer übertragen hatten.