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01.05.2014

Umgraben, Anpflanzen, Zusammenwachsen.

© Internationaler Garten Ditzingen e.V.

Interview mit dem Ehepaar Doerjer, Gründer des Internationalen Garten Ditzingen e.V.

Herr Doerjer, inwiefern eignet sich ein Garten als Ort der Begegnung? Sie hätten ja auch einen internationalen Wander-Club oder ein internationales Mal-Atelier gründen können.  

Winfried Doerjer: Im Garten geht es nicht um verkopftes Miteinander, sondern um eine Tätigkeit. Viele Menschen, die in den internationalen Garten kommen, stammen aus Gegenden, die landwirtschaftlich geprägt sind. In Ditzingen finden sie ein städtisches Leben vor. Hier im Garten haben sie wieder ein Stück Erde, auf dem sie etwas anbauen können und stolz darauf sind, wenn etwas wächst. Für Menschen, die in unseren Garten kommen, kann die Erde, die Scholle, das Bindeglied sein, um wieder heimisch zu werden.

Im biblischen Verständnis ist die Arbeit auf dem Feld die Strafe für den Sündenfall. Was macht einen Garten, in dem der Boden beackert werden muss, zu einem paradiesischen Ort?

W.D.: Ich denke, es geht nicht nur ums Sein im Paradies, sondern auch um den Weg dorthin. Dieser Weg führt über bestimmte Tätigkeiten. Andrerseits bedeutet der Garten ja auch nicht nur Arbeit, es wird auch gefeiert und gegessen. Der Garten ist auch eine Oase, ein Ort, an dem man in der Hängematte liegen kann. Das ist im Vergleich zum sonstigen Arbeitsalltag sehr wohl paradiesisch.

Monika Doerjer: Paradiesisch ist auch das Leben in Fülle. Da ist eine Zucchini-Pflanze und plötzlich ernte ich 20 Zucchini. Im Garten erlebe ich das Wunder der Natur.

Herr Doerjer, neben Ihnen und Ihrer Frau sind noch wenige andere deutsche Familien im Verein vertreten. Was können Deutsche von ihren Mitgärtnern mit Migrationshintergrund lernen?

W.D.: Ich glaube, eine ganze Menge. Zum Beispiel ein anderes Zeitgefühl. Wir können die Toleranz der Langsamkeit lernen und das Vertrauen, dass jemand machen wird, was er versprochen hat, wenn auch nicht sofort. Auch was die Vorstellung von Gemütlichkeit betrifft, können die Deutschen etwas lernen. Die Muslime brauchen keinen Wein oder Bier, um einen gemütlichen Abend zu verbringen, ein Glas Tee reicht völlig. In jedem Fall ist Integration keine einseitige Sache.

Frau Doerjer, welche Fülle an Obst- und Gemüsesorten wächst in Ihrem Garten?

M.D.: Bei den Zucchini und Kürbissen ist die Fülle groß. Wir haben auch Paprika, Mangold, Spinat, Erdbeeren, Himbeeren, Radieschen, Topinambur und Tomaten. Nächstes Jahr gibt es auch grünen Spargel. Außerdem haben wir Bittermelonen aus Vietnam und verschiedene chinesische Kohlarten. Wir ernten auch Kirschen, Pflaumen und Äpfel. Die Bäume sind noch relativ klein, schließlich haben wir sie erst vor 5 Jahren bei der Gründung des Gartens gepflanzt.

Winfried Doerjer hat 2009 den Internationalen Garten Ditzingen e.V. gegründet. Die Idee dazu kam von seiner Frau, Monika Doerjer. Der Verein hat 21 Mitglieder aus 11 Ländern, die gemeinsam mit ihren Familien den Garten bewirtschaften.

Das Interview führte Tabea Krauß.