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Wort für Wort (Literaturprojekt)
Im September, im Oktober 1994 wird die Literatur über einige Wochen und gleichzeitig an vielen Orten zum öffentlichen Ereignis. Literatur, gelesen und diskutiert, prägt das Straßenbild und bestimmt das Gespräch; Ausstellungen, Büchermärkte, Workshops und Spaziergänge öffnen andere Wege zum Buch und stellen überraschende Lesarten vor.
Viele Aspekte spielen eine Rolle: die Wiederentdeckung vergessener Autorinnen und Autoren, die Vorstellung zeitgenössischer Literatur, die Produktion, Vermittlung und Rezeption von Büchern. Wer will, kann Einblick in die Arbeit von Verlagen nehmen, Literaturverfilmungen ansehen, das Hörspiel als Genre wiederentdecken - auch das sind Möglichkeiten einer Annäherung. Alle erdenklichen Fragen werden diskutiert: Können Computer dichten? Ist das Buch als Medium noch zeitgemäß? Tragen Schriftsteller gesellschaftliche Verantwortung? Welche Macht hat das Wort? Gab und gibt es eine literarische Identität der Region? Hatte Hölderlin recht mit seinem Satz "Was bleibet aber, stiften die Dichter?" ' (Irene Ferchl)
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Laßt uns nach Schwaben entfliehn! / dort kennt uns niemand; / wir halten / Uns nach des Landes Weise daselbst. / Hilf Himmel! es findet / Süße Speise sich da und alles Gute die Fülle: / Hühner, Gänse, Hasen, Kaninchen und Zucker und / Datteln, Feigen, Rosinen und Vögel von allen Arten / und Größen; / Und man bäckt im Lande das Brot mit Butter und Eiern. / Rein und klar ist das Wasser, die Luft ist heiter und / lieblich
(J. W. Goethe)
Wir sind das Volk der Dichter, / ein jeder dichten kann, / man seh nur die Gesichter / von unsereinem an. / Der Schelling und der Hegel, / der Uhland und der Hauff / Die sind bei uns die Regel, / Die fallen gar nicht auf
(Eduard Paulus)
O wehe, wer geboren ist / Im schönen Land der Schwaben, / Der Gockel bläht sich auf dem Mist, / Den Schiller und den Friedrich List / Hat fremde Hand begraben
(Eduard Paulus)
Ungewöhnliche Kulturzeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Wer als einzige Art der Literaturpräsentation bisher nur die Lesung im Kopf hatte, wird sich in diesen Monaten wundern: Literarische Spaziergänge, Workshops, Ausstellungen, Büchermärkte, Performances, Filme, Installationen, Textcollagen haben mit dem Mann hinterm Rednerpult und dem Glas Wasser soviel zu tun wie Mozart mit zeitgenössischer Musik
(Marko Schacher, LIFT Stuttgart).
Zum Projekt erschien eine "Plakat Edition", zehn farbige Blätter mit unbekannten Texten bekannter Autoren (Samuel Beckett, Max Bense, Reinhard Döhl, Helmut Heißenbüttel, Friedrich Hölderlin, Justinus Kerner, Helmut Mader, Eduard Mörike, Friedrich Schiller, Christian Wagner).
