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Bis die Kunden mir vertrauen

Ich habe schon immer längerfristig gedacht und selbständig meinen eigenen Weg eingeschlagen. Eigentlich habe ich wirklich immer das gemacht, was ich wollte. Irgendwann habe ich mich selbständig gemacht. Und es lief gut.

Ich bin der Leiter einer Firma. Wir spritzen Kunststoffteile. Die Teile werden in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt: Medizintechnik, Automobilindustrie … und so weiter.

Meine Eltern sind aus der Türkei gekommen. Weil alle Freunde und Verwandten noch dort waren, ist meine Mutter kurz vor meiner Geburt in die Türkei geflogen, hat mich auf die Welt gebracht und dann sind wir wieder hierher gekommen. Ich war also schon vor meiner Geburt in Deutschland.

Es war in der Zeit auch üblich, seine Kinder für ein paar Jahre in die Heimat zu schicken, damit sie die Muttersprache können. Denn der Plan war ja, bald zurückzugehen, und dann sollten die Kinder keine Integrationsprobleme haben. Ich war auch drei Jahre in der Türkei auf der Schule. Die Gastarbeiter der Generation meiner Eltern dachten immer, dass sie zurückgehen würden, aber es gab zwei Gründe, warum sie nie zurück konnten. Erstens: Die türkische Lira hat immer an Wert verloren. Die D-Mark war sehr stark. Also war es jedes Jahr aufs Neue so attraktiv, nochmal ein Jahr länger hier zu bleiben. Zweitens: Es gab in der Türkei politische Unruhen. Anschläge von Linksextremisten und Rechtsextremisten. Das Land war nicht sicher.

Mit 14 bin ich wieder hierher gekommen. Eigentlich wurde jeder aus dem Ausland auf die Sonderschule geschickt. Aber weil ich beweisen konnte, dass ich schon Deutsch konnte, durfte ich auf die Hauptschule gehen.

Hm. Meine Kinder haben Abitur. Die sagen dann manchmal: »Du hältst dich da jetzt raus als Hauptschüler!«

Mein Vater war dagegen, dass ich eine Ausbildung mache. »Wenn wir eh in 3 Jahren zurückgehen, dann schaff’ doch jetzt lieber im Schichtbetrieb und verdien’ schnell einen Haufen Geld.«

Aber ich habe längerfristig gedacht und selbständig meinen eigenen Weg eingeschlagen. Also habe ich
eine Ausbildung als Industriemechaniker gemacht. Mein Vater hat kurzfristiger gedacht. »Wir gehen ja bald wieder zurück in die Türkei.«

Ich habe wirklich eigentlich immer das gemacht, was ich wollte.

In der Wirtschaftskrise 2008 / 2009 wurde ich arbeitslos. Dann habe ich mich aus Notwendigkeit selbständig gemacht. Durch die Krise bin ich günstig an Maschinen gekommen. Ich hatte meine ersten Kunden und habe Teile für die produziert.

Und es lief gut.

Ich war in meinem früheren Betrieb schon Ausbilder. Jetzt sind wir 13 Personen in meiner Firma und alle meine Mitarbeiter habe ich selbst ausgebildet. Dadurch ist es eine sehr enge Gemeinschaft. Ich war von Anfang an ein Ausbildungsbetrieb nach DIN Iso 9001. Ich habe mich sofort nach den Qualitätsstandards zertifizieren lassen. Egal wie klein wir waren, ich habe mich an die Strukturen der Großen angepasst. Auch weil der türkische Name mit sich bringt, dass ich mehr Überzeugungsarbeit leisten muss, bis die Kunden mir vertrauen. Das war richtig und wichtig.