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Damals war das die beste Disko im Ort, jetzt ist es mit der alten Technik wie ein Museum.

Sonntags war hier immer Tanzparty. Da haben sich über Jahrzehnte Hunderte von Jugendlichen kennengelernt, manche haben geheiratet.

Ich bin Tanzlehrer. Die Tanzschule Knoll gibt es schon seit 1865. Mein Urgroßvater hat sie gegründet.

Ich war das jüngste Kind meiner Eltern. Mein Vater hat immer gesagt, das ist der Heilige Geist gewesen. Meine Mutter war über 40 als sie mit mir schwanger war. In den 50er Jahren war das noch ein anderes Thema: »Dass die sich das trauen« haben die Nachbarn gesagt. 1963 ist mein Vater plötzlich gestorben. Das war schlimm! Meine Geschwister waren zu diesem Zeitpunkt schon ihre eigenen Wege gegangen – da war bloß noch ich übrig. Ich hab mich dem Schicksal ergeben und 1965 die Tanzschule übernommen. Ich dachte eigentlich nicht, dass ich der große Tanzlehrer werde, aber ich hatte auch keine eigenen Pläne.

Mein Vater ist noch vor dem Zweiten Weltkrieg mit seinem Klavierspieler auf dem Tandem von Dorf zu Dorf gefahren. Der Klavierspieler war blind und sein Spitzname war Schnaggel. Die beiden waren ein gutes Team. »Auf, Schnaggel, Walzer!« Aber Schnaggel hat nicht gespielt. »Warum spielst nicht?« »Ich kann heute nicht spielen, ich hab meine Noten vergessen.«

Früher war das so: Auf der einen Seite saßen alle Mädchen, auf der anderen alle Jungs. »Bitte auffordern!«, hieß es dann. Dann sind die Jungs auf die Mädchen losgestürmt und fünf Jungs standen um ein Mädchen. Links und rechts saßen weitere Mädchen, für die sich niemand interessierte. Da war Enttäuschung.

Einmal waren es wieder zu viele Mädchen und da hieß es: »Berti, du musst kommen, wir haben zu wenig Buben, jetzt machst du da mal mit.« Meine Mutter hat mir noch ein anderes Hemd gegeben und los ging’s. Damals ist man mit Anzug und Krawatte zur Tanzstunde gegangen. Da saß eine Dame und die hat mir gleich gefallen. Beim Auffordern bin ich sofort zu ihr gegangen. Das hat dann auch direkt sehr gut funktioniert mit dem Tanzen. So habe ich meine Frau kennengelernt. Geheiratet haben wir 1968, ein Jahr später wurde unsere Tochter geboren.

»Sobald Sie Musik hören, macht es doch was mit Ihnen, oder?« Wenn sich meine Kunden mit Freude zur Musik bewegen, dann ist mein Ziel erreicht. Heute kommen keine Jugendlichen mehr zu mir. Das hat sich alles mehr in Richtung Tanzsport entwickelt. Da geht es um Leistung, nicht um Freude. Es gibt noch ein paar ältere Paare sonntags, aber die schwinden mit der Zeit auch auf natürliche Weise. Die Leute können sich irgendwann nicht mehr bewegen: Kniegelenke, Hüftgelenke, Herzinfarkte.

Meine Tochter hat auch eine Tanzlehrerausbildung gemacht und übernimmt vielleicht die Schule. Aber ich denke noch nicht ans Aufhören. Mir macht Tanzen Spaß und gesundheitlich bin ich noch auf der Höhe. Einen Lieblingstanz hab ich nicht, ich tanze alles gerne.