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Frieden: an das scheinbar Unmögliche glauben

Ich wohne seit 2010 mit meiner Familie in Marbach. Meine Liebe zur Fotografie hat mich mittlerweile zum »Visual Storyteller« in sozialen Medien gemacht. Nicht nur mein Wohnort, der zu meiner Heimat geworden ist, hat wunderbare Geschichten zu bieten, tolle Momentaufnahmen. Meine Arbeit hat mich viel herumkommen lassen, in Deutschland und Teilen Europas. Frieden, wer wünscht sich das nicht für sich und die Welt? Gibt es seit Beginn der Menschheit einen sehnlicheren Wunsch? Dafür arbeite ich. Und das ist eine besondere Berufung. Als ich 14 war, hat mich der Fußball die Ängste vertreiben lassen. Die spürbare Angst vor einem Atomkrieg im Jahr 1983. Wie sie viele damals hatten und sich engagierten.

Mit dem Ende des Kalten Krieges vor dreißig Jahren sammelte ich Erfahrungen als Kriegsdienstverweigerer, wurde einige Jahre später der jüngste Mediator in Deutschland. Konflikte wird es immer geben auf der Welt. Doch wie gehen wir damit um? Im Kleinen und im Großen. Das trieb mich an. Die atomare Abschreckung von damals und heute ist das Symbol dafür, dass wir es immer noch nicht ausreichend gelernt haben, kooperativ und gewaltfrei miteinander umzugehen. Verhandelnd und wertschätzend. Es liegen oft immer noch Welten zwischen Staaten, Menschen, Kulturen. Obwohl die Welt durch die Globalisierung zusammengerückt ist.

Seit 1995 koordiniere ich in verschiedenen Funktionen Kampagnen und Projekte für Frieden und insbesondere für eine atomwaffenfreie Welt.

Als Teil von ICAN wurden meine Organisationen auch Friedensnobelpreisträger 2017. Durch das herausragende Engagement für ein weltweites Verbot von Atomwaffen, das im selben Jahr beschlossen wurde. Ich konnte als Teil einer großen Gemeinschaft bei der Preisverleihung in Oslo mit dabei sein. Es war bewegend und extrem motivierend. Auch wegen Betroffenen der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki, die auf diesen Tag hingearbeitet hatten und eine unbändige Kraft ausstrahlten. Mit 80, 85, 90 Lebensjahren. Viele Medienberichte über mich und uns bis hin zu den Tagesthemen hielten mich in Atem.

An das scheinbar Unmögliche zu glauben schafft eine enorme Energie und Gemeinschaft, an der neben vielen Organisationen der Zivilgesellschaft mittlerweile fast 8.000 Städte weltweit mitwirken, auch meine Heimatstadt Marbach. Mit diesem Geist kommen wir der Friedenssehnsucht näher und der Überwindung der atomaren Abschreckung, die uns schon so lange prägt. Diese Zuversicht bei so vielen Menschen lässt es auch aushalten, dass wir tagtäglich Kriege und Leid, Armut und Unterdrückung, Flucht und Vertreibung aushalten müssen. Denn wir arbeiten daran, dies zu ändern. Nicht immer schnell, aber nachhaltig. Und immer der Fotoapparat in der Nähe.

Roland Blach, Marbach am Neckar