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Künstler-Villa auf dem Tannenberg

Mein Ziel ist es, den Maler Fritz Steisslinger, seine Werke und auch dieses Haus ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Ich möchte das Haus öffnen, es soll ein Museum werden. Und zwar so authentisch, wie es jetzt ist.

Durch den Zweiten Weltkrieg ist meine Familie nach Brasilien gekommen. Geboren bin ich in Österreich. In Rio habe ich zufällig meinen Mann kennengelernt. Das war 1953. Ich laufe an einem Samstagnachmittag zum Strand. Da lag ein Herr und hat eine medizinische Zeitschrift gelesen. Ich hab Pater Gracians »Handorakel« herausgeholt und auch angefangen zu lesen. Ich war 20 und hatte einen sehr langen Zopf. »Entschuldigen Sie bitte, Sie sprechen doch Deutsch.« So kamen wir ins Gespräch. Seine Familie hat wie meine Familie in Teresópolis gewohnt.

Es hat dann lang gedauert, bis wir zusammen zurück gefahren sind. Wir hatten eine fröhliche Fahrt. Er hat gefragt: »Können Sie Klavier spielen? Dann kommen Sie doch heute Abend vorbei.« Aber mein Vater hat es mir verboten. Am Montag darauf kam Herr Doktor Steisslinger mit einem Veilchenstrauß und hat gefragt, ob wir uns treffen können. Da hab ich meinen Vater nicht mehr gefragt. Ich wollte wissen: Was steckt hinter diesem Mann? Und es steckte sehr viel dahinter.

Er war der einzige Sohn des Malers Fritz Steisslinger, der den Zweiten Weltkrieg überlebt hatte.

Eberhard hat mich lange seinem Vater nicht vorgestellt. Ich hatte ja nichts hinter mir: kein Vermögen, keine Bildung. Er war sich nicht sicher, ob ich akzeptiert werden würde. Irgendwann sollte ich ihn dann doch treffen. Alleine. Sein Vater hat mich zu Beginn kritisch von oben nach unten gemustert. Mit der Zeit wurde er immer interessierter und sagte: »Soll ich jetzt Du zu Ihnen oder Sie zu Dir sagen?« Da war das Eis angeknackst. »Warum habt ihr eigentlich noch nicht geheiratet?«, hat er irgendwann gefragt. Und das haben wir dann kurz darauf getan. Unseren ersten Sohn haben wir noch in Brasilien bekommen, aber so wurde ich zur Böblingerin.

Fritz Steisslinger hat viel gemalt. Die Bilder, die in Deutschland entstanden sind, sind expressiv und enthalten schon Elemente der Neuen Sachlichkeit. Dagegen explodieren die Bilder aus Brasilien vor Farbigkeit. Fulminant und immer realistisch.

1961 sind wir von Brasilien nach Böblingen gezogen. Das war ein Kulturschock. Die Herzlichkeit und Lockerheit Brasiliens, die gab es in Böblingen nicht. Aber ich habe mich auch in Böblingen gut zurechtgefunden. Wir sind vier Jahre nach dem Tod von Fritz Steisslinger hier in sein Haus auf den Tannenberg gezogen. Der Maler hatte das Haus selbst entworfen. Niemand hatte ein solches Haus, nicht mal Otto Dix. Es ist noch völlig authentisch erhalten. Die Architektur, die Inneneinrichtung, der Garten – alles von ihm gezeichnet.