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Vom Gast zur Gaststätte

Ich kam 1964 nach Deutschland, da war ich 14. Nach Kirchheim kam ich erst 1971. Eigentlich kam ich nach Deutschland, weil ich Deutsch lernen wollte. Nicht wegen der Arbeit.

Ich komme aus der Provinz Bozen. Da war die deutsche Sprache sehr wichtig für uns. Denn wenn man dort eine staatliche Stelle wollte, dann musste man Deutsch sprechen. Selbst wenn man dort Straßen kehren wollte. Das ist heute noch so.

Ein Bekannter hatte mir erzählt, dass in einem Hotel in Worms Personal gesucht wird. Da habe ich mich beworben und die Stelle bekommen. Theoretisch wollte ich dort nur eine Saison machen, aber ich habe gutes Geld verdient, viel Trinkgeld bekommen, also habe ich gleich Karriere gemacht.

Ich hatte immer ein Buch, damit habe ich die Sprache gelernt. Alleine, für mich. Die Grammatik, die Vokabeln. Und alle Leute haben sich gewundert: »Wie kann der so schnell die Sprache lernen?« Ich hab das immer in meiner Freizeit gemacht.

Ein Bekannter von mir hatte dann ein Restaurant in Kirchheim und fragte mich und meinen Bruder, ob wir nicht eine Saison bei ihm machen wollen. Dort habe ich dann mitbekommen, dass die Gaststätte »Zum Fass« zu verpachten war. Und dann habe ich mich beworben. Sie müssen sich das vorstellen, da waren 35 Interessenten. Für eine Gaststätte! Das wäre heute undenkbar. Man musste sich bei der Brauerei vorstellen, wir kamen als letzte dran. Aber wir hatten gute Papiere, gute Zeugnisse von den Restaurants, in denen wir vorher gearbeitet hatten. Und unsere Eltern hatten versprochen, dass sie kommen, um uns zu helfen, bis es läuft. Das sollten 5 Jahre werden. Inzwischen sind es bald 50.