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Wie ich auf die Idee kam, einen Digital-Speicher-Oszillographen zu konstruieren

Mit 18 Jahren hatte ich einen schweren Verkehrsunfall. Mein Ellbogen war in sieben Teile. Das war 1976. Ich musste lange Zeit im Krankenhaus liegen. Ein Freund hat mir ein Datenbuch über digitale Bausteine ins Krankenhaus gebracht, das ich durchgelesen habe. Ich hatte ja viel Zeit, auch zum Nachdenken. Das ist schon etwas Besonderes.

Der Clou bei meinem Gerät lag darin, dass man es an handelsübliche Farbfernseher anschließen konnte. Dieser Farb-Digital-Speicher-Oszillograph war seiner Zeit zehn Jahre voraus. Ich hab natürlich gleich ein Patent angemeldet. Dann wollte ich mit der Verwertung anfangen. Ich hab bei einem namhaften Oszillographenhersteller in Deutschland angeklopft, die waren sehr interessiert und wir haben eine Vertraulichkeitserklärung unterschrieben. Ich hab dann etliche Wochen nichts von der Firma gehört.

Ich bin irgendwann als Besucher auf die Elektronika nach München gefahren. Plötzlich stand ich vor den zwei Herren der Firma, die einen neuen Oszillographen angeboten haben. Das Gerät war zu 100% ein Nachbau meines Geräts! Ich hab sie sofort zur Rede gestellt: »Leute, wie sieht’s aus, Sie haben mir doch eine Vertraulichkeitserklärung unterzeichnet, Sie wollten mir doch die Idee abkaufen...« Da kam ein bissle Gestotter, die sind ein bissle rot geworden im Gesicht. »Ja, wir haben im Namen unserer Firma unterschrieben, aber wir haben uns jetzt selbstständig gemacht.« Da haben sich also der Fertigungsleiter und der Verkaufsleiter selbständig gemacht mit meiner Idee und haben meinen Oszillographen einfach auf den Markt gebracht. Das war ein derber Schock.

Ich hatte in einem Dreivierteljahr einen funktionsfähigen Prototypen gebaut, das Gerät steht heute noch bei mir im Keller. Ich habe in der Zeit eigentlich Tag und Nacht gearbeitet. Ich war fix und fertig, nachdem mir der Erfolg auf diese brutale Art geklaut worden ist. Ich war 18 und hatte einen Burnout. Ich hab zwei, drei Jahre gebraucht, um da wieder rauszukommen.

Ich bin natürlich zum Patentanwalt. Der hat mir geraten, nicht zu klagen, da man nur soundso weit zurück Regressansprüche stellen kann. Ich war zu spät dran. Ich habe das Gerät dann drei Jahre später bei meinem Hausarzt gesehen, das wurde sehr gut verkauft. Ich habe bis heute keinen Cent gesehen und die Firma gibt’s heute noch.

Eine gute Sache gibt es bei der Geschichte doch noch: Über diesen Patentanwalt bin ich dann bei Bosch in Schwieberdingen in die Entwicklung reingekommen. Und das ohne Ingenieurstudium. Ich muss sagen, wenn man Ideen hat, wird man viel betrogen. Ich hab erst zehn Jahre später wieder angefangen, mich mit meinen eigenen Ideen und Erfindungen zu beschäftigen. Heute halte ich 320 Patente. Gerade bin ich in den Ruhestand gegangen. Jetzt habe ich Zeit und ich werde den Witz machen und der Firma noch eine Rechnung für meinen Digital-Speicher-Oszillographen schreiben. Die können darüber schmunzeln, aber die sind mir noch was schuldig …