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© Villa Merkel, Galerie der Stadt Esslingen am Neckar

Esslingen am Neckar

Leone Contini:
»Tutto il mondo è paese – die Welt ist ein Zuhause«

Der italienische Künstler Leone Contini beschäftigt sich schon lange mit interkultureller Landwirtschaft. Er hat chinesische Bauern in der Toskana, bengalische Landwirte rund um Palermo und italienische, türkische und nepalesische Gärten in ganz Europa besucht. Wie migrantische Communities Landwirtschaft betreiben und welche Rolle das Saatgut dabei spielt, interessiert ihn bei seinen Feldforschungen ganz besonders.

Continis Wissen über tradierte Anbaumethoden und sowohl alte als auch neue Sorten fließt auch in seine künstlerische Praxis ein, die sich häufig ums Gärtnern, Ernten, Kochen und Essen dreht. Im Esslinger Merkelpark hat er den Samen für eine experimentelle, begehbare Skulptur gelegt. Gemeinsam mit lokalen Gärtnerinnen und Gärtnern und dem Team der Villa Merkel lässt er dort ein lebendiges Kunstwerk entstehen, das Früchte trägt. Italienische Flaschenkürbisse und ostasiatische Bittergurken wachsen und ranken hier neben heimischen Bohnensorten, die ihren Ursprung in Baden-Württemberg haben. Das Saatgut stammt nicht von großen Konzernen, sondern von bäuerlichen Gemeinschaften, die ihre Samen selbst vermehren.

Alle Esslinger:innen sind eingeladen vorbeizukommen, zu verweilen oder mitzuarbeiten und sich von der Vielfalt alter und neuer Nutzpflanzensorten begeistern zu lassen. Während des Festivals finden in und an der bewachsenen Installation Performances, Lesungen und Kochaktionen statt. Wer mag, kann hier Geschichten von der Reise des Saatguts lauschen. Es entsteht ein Raum für interkulturellen Austausch – hier wird gemeinsam das Leben gefeiert, das aus einem kleinen Samen erwächst.

Biodiversität und Nachhaltigkeit sind die großen Themen, die Contini am Herzen liegen. Angesichts des Klimawandels wird vielen Bauern, ob sesshaft oder nomadisch, der eigene Boden fremd. Continis Kunstaktionen greifen diese klimatischen und politischen Veränderungen auf und zeigen, welche Synergien sich daraus ergeben: Denn wenn altes Wissen und neue Ideen zusammenkommen, wenn Samen um die Welt reisen und genetische Informationen zwischen Klimazonen ausgetauscht werden, wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenkommen, dann kann Innovation entstehen, die wirklich nachhaltig ist.

Gefördert im Rahmen von »Weiterkommen!« des Zentrum für kulturelle Teilhabe Baden-Württemberg.

Rahmenprogramm

1.&2.10.22, 14:00–18:00 Uhr
»Aktionsformat« mit Leone Contini
Lecture, Storytelling, Pflanzen-Samentauschen, Performance und weitere Aktionen

VILLA MERKEL

Mi, 28.9.22, 18:00 Uhr
Die essbare Stadt

– eine Vision, die in anderen Städten schon gelebt wird: Wie können wir die Grünflächen, die uns zu Verfügung stehen, sinnvoll nutzen und wo können wir vom Wegesrand essen? Eine kulinarische Tour durch den Merkelpark.

So, 2.10.22, 14:00 Uhr
Fermentieren alter Sorten

Mit Fermentation zu einer nachhaltigen Zukunft beitragen! Im Stadtacker zeigt Laura Becker, wissenschaftliche Volontärin der Villa Merkel, welche von den angebauten alten Sorten sich am besten zum Fermentieren und Haltbarmachen eignen und auf was man dabei achten muss. Gerne eigene Gläser mitbringen.

Mi, 12.10.22, 18:00 Uhr
Skulptur von übermorgen

An Kunst im öffentlichen Raum werden viele Ansprüche gestellt. Bei einem gemeinsamen Spaziergang mit Johanna Knoop, Kunstvermittlerin der Villa Merkel, durch den Park entlang von Skulpturen, Installationen, Plastiken und dem Stadtacker wird gemeinsam der Kontext erarbeitet.

Der Kunstschaffende

Leone Contini studierte Philosophie und Kulturanthropologie an der Universität Siena. Er arbeitet an der Schnittstelle von ethnographischer Forschung und künstlerischer Praxis. Sein Fokus liegt dabei auf interkulturellen Konflikten, Migration und Landwirtschaft. Contini lebt in der Toskana.

© Cinzia Delnevo
Ort

Veranstaltungsfläche im Merkelpark

Adresse

Pulverwiesen
73728 Esslingen am Neckar

Laufzeit

23.9.–16.10.22

Öffnungszeiten

rund um die Uhr zugänglich