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Fokustag
Bietigheim-Bissingen
2.10.2020
© Angelika Wischermann

Bietigheim-Bissingen

Keine Schwellenangst!
Die Tür als Motiv in der Gegenwartskunst

Türen sind Alltagsgegenstände, die wir täglich vielfach gebrauchen, ohne uns darüber Gedanken zu machen. Ihre elementare Funktion für unser Leben spiegelt sich jedoch in zahlreichen Redensarten – von »Offene Türen einrennen« bis »Jemandem die Tür vor der Nase zuschlagen«. Es gibt ein Davor und Dahinter, ein Drinnen und Draußen sowie eine Schwelle, auf der sich entscheidet, wer eintreten darf. Es sind insbesondere die Ambivalenz und symbolische Aufladung von Türen, die zahlreiche Künstlerinnen und Künstler veranlasst haben, sich mit diesem Motiv auseinanderzusetzen. Das Schließen einer Tür kann Schutz, Ruhe und Rückzug oder aber Freiheitsentzug, Enge und Isolation bedeuten. In Märchen gibt es verbotene Türen, hinter denen Geheimnisvolles, Abenteuer und Gefahr lauern. All diese Aspekte veranschaulicht die Ausstellung mit Zeichnungen, Gemälden, Fotografien, Filmen, Skulpturen und Installationen von rund 20 internationalen Gegenwartskünstlerinnen und -künstlern.

Zu ihnen gehört die Bildhauerin und Medienkünstlerin Angelika Wischermann. Ihre Installation »Durchgangszimmer«, ausgestellt in Form einer Video-Dokumentation, ist kein Aufenthaltsraum. Die Künstlerin hat aus vier weißen Wänden einen minimalistischen, schnörkellosen Raum gebaut.

Was diesen unspektakulären Bau so besonders macht: Er verfügt über ungewöhnlich viele Türen. Doch das Zimmer ist so klein und schmal, dass sie nicht gleichzeitig geöffnet werden können, ohne aneinander zu stoßen und sich gegenseitig zu blockieren. Nur eine einzelne Person kann in Ruhe den Raum betreten und ihn erforschen. Sobald weitere Handelnde ins Spiel kommen, wird die Sache komplizierter: Mehrere Besucherinnen und Besucher können gemeinsam die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten von Öffnungen und Schließungen erproben – oder sich gegenseitig den Weg versperren. Und genau darum geht es Wischermann: Menschen zur Interaktion mit dem Raum herauszufordern und diesen dadurch in Bewegung zu versetzen. Ursprünglich war die Installation für den öffentlichen Raum geplant. Die aktuellen Regelungen zur Pandemie-Vorsorge hätten dem Kunstwerk dort jedoch seinen interaktiven Charakter genommen. 

Die Ausstellung wurde kuratiert von Isabell Schenk-Weininger und Petra Lanfermann, Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen.  

Die Künstlerin

Angelika Wischermann wurde 1983 in Herdecke in Nordrhein-Westfalen geboren. Ihr Studium der Bildhauerei und Medienkunst an der Muthesius Kunsthochschule Kiel beendete sie 2009. Den Bachelorabschluss machte sie bei Arnold Dreyblatt. Im Anschluss studierte sie Bildhauerei und Multimedia bei Erwin Wurm unter anderem an der Universität für angewandte Kunst Wien. Dort erhielt sie 2013 ihr Diplom bei Martin Walde. Wischermanns Installationen und Performances sind oft ortspezifisch, ihre Kunstwerke gehen eine Beziehung mit dem Präsentationsort oder -raum ein. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Wien.

Website der Künstlerin
© Angelika Wischermann

Die Arbeit »Durchgangszimmer« wird im Rahmen der Ausstellung »Keine Schwellenangst« in der Städtischen Galerie gezeigt.

Adresse

Hauptstraße 60–64
74321 Bietigheim-Bissingen

Ausstellungsdauer

2.10.2020–24.1.2021

Di, Mi, Fr 14:00–18:00 Uhr
Do 14:00–20:00 Uhr
Sa, So, Feiertage
11:00–18:00 Uhr

Programm Fokustag 2.10.

Tag der offenen Tür mit
Künstlergesprächen und Rezitationen

Städtische Galerie
Bietigheim-Bissingen
17:00–21:00 Uhr

Kinoprogramm 30.9.

»The Circle« (USA 2017, 110 min)
R: James Ponsoldt
Olympia-Paradieskino
Bietigheim-Bissingen
20:00 Uhr