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Esslingen am Neckar

Themenausstellung
»Unter Beobachtung«

Die Villa Merkel, Galerie der Stadt Esslingen am Neckar, ist Gastgeber für eine kompakte Themenausstellung zum Festival der KulturRegion Stuttgart. Insgesamt neun Beiträge von Künstlerinnen und Künstlern aus Belgien, den USA, der Schweiz, den Niederlanden, Australien und Deutschland widmen sich den überwältigenden technischen Möglichkeiten von Überwachung und Manipulation in unseren globalisierten Gesellschaften. Sie rücken die ausufernde Produktion, Sammlung und Auswertung von Daten aller Art und die Allmacht der Algorithmen ins Bewusstsein der Besucherinnen und Besucher. Ob künstliche Intelligenz, die Auflösung der Grenzen zwischen Realität und Fiktion oder die Verschmelzung von Lebewesen und Maschine: Die gezeigten Installationen knüpfen an aktuelle gesellschaftliche Diskurse an und zeigen, wie Technologie unsere Leben durchdringt.

Dass Echtzeitdaten permanent ausgelesen werden, Firmen per Gesichtserkennungssoftware private Bilder im Netz durchforsten und Maschinen unser Verhalten voraussagen können, ist beunruhigend. Doch die Künstlerinnen und Künstler, deren Werke in der Ausstellung zu sehen sind, verlieren nicht den Humor. Sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte und nähern sich der Thematik auf ganz verschiedene Weise. Gemeinsam ist ihnen dabei der Verzicht auf apokalyptische Düsternis – alle Arbeiten sind geprägt von einer spielerischen, teils parodistischen Herangehensweise. Indem die Ausstellenden Techniken, die Unternehmen für Marketingzwecke oder Staaten zur Verbrechensprävention einsetzen, im künstlerischen Kontext reproduzieren, kommt deren Absurdität zum Vorschein. Mal werden ungesicherte Überwachungskameras angezapft und mit Gesichtserkennungstools verbunden, um Promis zu tracken.

Mal dient eine ähnliche Software dazu, die Funktionsweise einer Überwachungskamera ad absurdum zu führen: Wenn sich zum Beispiel eine ›schüchterne‹ Kamera einfach wegdreht, sobald sich ein Mensch nähert. Neben Bilddaten aus Kameraaufzeichnungen, geht es auch um biologische Daten. Dass anhand von DNA-Spuren an weggeworfenen Zigarettenstummeln das mögliche Gesicht des Rauchers rekonstruiert werden kann, wie eine Installation zeigt, rückt die Möglichkeiten und Gefahren, aber auch Grenzen von biologischer Überwachung ins Zentrum. Eine andere Arbeit erinnert uns daran, wie bereitwillig wir manchmal die Kontrolle über all die Daten, die ständig über uns gesammelt und irgendwo gespeichert werden, abgeben. Wer macht sich schon die Mühe, alles nachzuvollziehen? Und wie verlässlich ist die Auswertung all dieser Daten überhaupt? Sind Algorithmen nicht genauso fehlbar, wie wir Menschen? Ob Technologie die Probleme unserer Welt löst, bleibt fraglich. Sicher ist, dass die Auseinandersetzung mit ihren Risiken und Chancen bemerkenswerte Kunstwerke hervorbringt.

Mit: Dries Depoorter (Belgien) »Surveillance Paparazzi« | Heather Dewey-Hagborg (USA) »Stranger Visions« | Verena Friedrich (Deutschland) »Endo« | Gregor Kuschmirz (Deutschland) »Die schüchterne Kamera« | Esther Hovers (Niederlande) »False Positives« | Marc Lee (Schweiz) »Security First« | Toast VR (Australien) »Richie’s Plank Experience« | Alex Verhaest (Belgien) »Temps Mort / Idle Times« | Christiaan Zwanikken (Niederlande) »Scorched Earth / Verbrannte Erde«

Mit freundlicher Unterstützung des Königreichs der Niederlande.

Adresse

Villa Merkel
Galerie der Stadt Esslingen
Pulverwiesen 25
73726 Esslingen am Neckar

Ausstellungsdauer

So 20.9.–So 15.11.

Di 11:00–20:00 Uhr
Mi–So 11:00–18:00 Uhr

Fokustag 29.09.2020

Mit freundlicher Unterstützung von