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Fokustag
Filderstadt
4.10.2020
© Katharina Mayer

Filderstadt

Katharina Mayer
»Familia«

Katharina Mayer fotografiert Familien. Dem Porträt, genauer gesagt dem Gruppenporträt, gilt das Hauptinteresse der Düsseldorfer Künstlerin. Ob Unternehmer-, Flüchtlings- oder Lehrerfamilie, ob heile Großfamilie oder Familienfragmente  –  ihre inszenierten Porträts zeigen Ausschnitte von Lebensgeschichten. An ihrer Serie »familia« arbeitet sie bereits seit 2001.

Mayers Projekt wächst stetig  – immer wieder kommen neue Gruppenporträts hinzu. Für die Städtische Galerie in Filderstadt hat die Künstlerin fünf Familien ausgesucht. Alle haben einen besonderen Bezug zur Stadt, sind im örtlichen Gefüge Träger einer bestimmten gesellschaftlichen Rolle. Mehrere Stunden an ein bis zwei Tagen nimmt sich die Künstlerin  Zeit, um die Familien kennen zu lernen und zu portraitieren. Dabei die Essenz der Familiengeschichte herauszuarbeiten, ist das Ziel der Künstlerin.

Mayer besucht die Familienmitglieder im bekannten Terrain, der eigenen Wohnung oder einem vertrauten Ort im Außenraum. Immer ausgehend vom Raum, werden die Familienmitglieder dann Schritt für Schritt in diesen integriert für das gemeinsame Porträt. Die künstlerische Inszenierung durch die Fotografin trifft hier auf die individuelle Selbstinszenierung der Familienangehörigen. Wird dabei das, was die Familie prägt, versteckt oder nach außen gekehrt? Wer nimmt welche Rolle innerhalb des Gefüges ein? Wie wird das Bild auf Außenstehende wirken?

Jede Familie kämpft mit einem Erbe. Ideale und Wünsche werden von Generation zu Generation weitergegeben. Großeltern, Kinder und Enkel reiben sich an Erwartungen, denen niemand gerecht wird. Familienge-schichten sind manchmal Tragödien, manchmal Erfolgsstorys. Traditionen werden zelebriert oder bewusst versteckt. Zwischen dem, wie eine Familie und ihre Mitglieder gesehen werden möchten, und dem, was sie unfreiwillig zeigen, klafft manchmal eine Lücke.

Auch auf Mayers Bildern gibt es Brüche, die sie mitunter ganz bewusst herbeiführt. Kleine Ereignisse, die so nicht vorgesehen waren,  einzelne Personen, die in irgendeiner Form aus der Rolle fallen. Mit engen Angehörigen im bekannten Umfeld vor der Kamera einer fremden Person zu posieren, für Fotos, die später im Museum ausgestellt werden, ist eine Gratwanderung: Zwischen öffentlich und privat, zwischen Repräsentanz und Rückzug. Genau dieses Spannungsfeld reizt Katharina Mayer. Mit künstlerischen Mitteln lotet sie die Grenzen aus.   

In der Ausstellung in der Städtischen Galerie Filderstadt sind neben den fünf Filderstädter Familienporträts auch 15 großformatige Familienbilder aus Mayers Repertoire zu sehen.

Die Künstlerin

Katharina Mayer wurde 1958 in Rottweil in Baden-Württemberg geboren. Nach ihrem Kunstgeschichtsstudium in Freiburg, studierte sie an der Düsseldorfer Kunstakademie Freie Kunst mit Schwerpunkt Fotografie und Video bei Bernd Becher und Nan Hoover. Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit ist die Auseinandersetzung mit dem Menschenbild. Ihre mehrfach prämierten Arbeiten wurden europaweit ausgestellt und sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, unter anderem im Museum Ludwig Köln und der Staatsgalerie Stuttgart. Nach einer Gastprofessur in Wien und einem Lehrauftrag in Krefeld ist sie seit 2012 Professorin für Fotografie an der University of Applied Sciences Europe in Berlin. Katharina Mayer lebt und arbeitet in Düsseldorf und Berlin.

Website der Künstlerin
© Katharina Mayer

Die Ausstellung ist in der Galerie Filderstadt zu sehen.

Adresse

Bonländer Hauptstraße 32/1
70794 Filderstadt Bonlanden

Ausstellungsdauer

So 27.9.–So 25.10.

Do 10:00–12:30 Uhr
Sa 15:00–18:00 Uhr
So 11:00–17:00 Uhr

Eröffnung
So 27.9. 11:15 Uhr

Programm Fokustag 4.10.

Künstlergespräch
mit Katharina Mayer und den beteiligten Filderstädter Familien
Verkauf von Büchern und Fotografien der Künstlerin

Städtische Galerie Filderstadt
11:00 Uhr