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© Renald Deppe

Kirchheim/Teck

Renald Deppe
»Unter Teck Über Deck.
Erbauliche Turmmusicke für mindestens
4 Himmel- & Bimmelrichtungen«

Seit fast 500 Jahren gibt es die Turmbläser von Kirchheim unter Teck: Auch heute noch ist ihr Spiel jeden Samstag um halb 12 vom Kirchheimer Rathausturm zu hören. Während sich auf dem Platz Zuhörerinnen und Zuhörer sammeln, schmettern die Musiker der Stadtkapelle ihr Lied in alle vier Himmelsrichtungen. Nach alter Tradition lassen die Musiker den zum Zeitpunkt des Kirchenjahres passenden Choral erklingen.

Der Wahl-Wiener, Musiker und Komponist Renald Deppe knüpft an diese Tradition an und bricht sie gleichzeitig auf. Mit seinem Stück »Unter Teck Über Deck. Erbauliche Turmmusicke für mindestens 4 Himmel- & Bimmelrichtungen« hat er für das Bläserquartett ein ungewöhnliches Stück geschrieben. Eine moderne Komposition, die so gar nichts mit dem bekannten Choral gemein hat. Und doch ist sie maßgeschneidert nicht nur für die vier Musiker, sondern auch für den eigentlichen Protagonisten der Konzerte: den Turm selbst. Als Hommage an den Turm schafft Deppe ein Gesamtkunstwerk. Seiner Partitur liegt eine komplexe Zeichnung zugrunde, die während der Laufzeit des Festivals in den Vitrinen der Galerie im Kornhaus ausgestellt ist.

Deppe lädt mit seinem experimentellen Stück für die Bläsergruppe, Bürgerinnen und Bürger, Besucherinnen und Besucher ein, ihre Ohren auf neue Klänge einzustimmen – ohne dabei die alte Tradition zu vergessen.

Die Vorüberlegungen zu seiner Turmmusik hat er poetisch verfasst:

 

Oftmals möcht ich türmen. Weil viele andere sich immer turmhoch überlegen fühlen.
Oftmals muss ich an den Turmbau zu Babel denken. Weil manche sich nicht aus ihren Elfenbeintürmen hinausbewegen. 
Lieber als der Wachtturm ist mir die Turmfigur im Schachspiel.
Lieber als jeder Bohrturm in der Wüste sind mir die Narrentürme der Städte.
Gesünder als das Turmspringen erscheint mir das Turmblasen.
Gesünder als der Aufenthalt im Hungerturm ist eine Auszeit im Leuchtturm. 
Jeder Turmfalke erscheint mir notwendiger als alle Kontrolltürme der Politik. 
Jeder Zwiebelturm wirkt tröstlicher als die vielen Kanonentürme der Konfessionen. 
Wir lieben Glockentürme mehr als Pulvertürme. 
Ich liebe Turmmusik mehr als das Gedudel vieler Sendetürme. 
Er bewundert die Turmgedichte Hölderlins aufrichtiger als so manchen angesagten Kühlturm der Verlagswelt.   
Sie bewundern die Flaktürme der Populisten öfter als die Wolkentürme ihrer Träume.   
Wir mögen den Eiffelturm lieber als jedweden Schuldturm der Finanzwelt. 
Ich mag den Rathausturm unter Teck mehr als jeden Gefechtsturm über Deck.

Mit freundlicher Unterstützung durch das Österreichische Kulturforum

Der Künstler

Renald Deppe wurde 1955 in Bochum geboren. Er studierte Musik an der Folkwang Hochschule in Essen und an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Deppe arbeitet interdisziplinär, als Musiker, Komponist  und Zeichner. Saxophon und Klarinette spielte er unter anderem im Klangforum Wien und im Ensemble Wien. Als Musikkurator war er für das FestSpielHaus St. Pölten tätig. Seit 2002 leitet er das von ihm gegründete Ensemble »Wachauer Pestbläser«. 2015 erhielt er das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Deppe lebt und arbeitet in seiner Wahlheimat Wien – wie kaum ein Zweiter prägt er die Musikszene der Stadt.  

Website des Künstlers
© Renald Deppe
Adresse

Rathausturm
Marktstraße 14
73230 Kirchheim unter Teck

Zu hören und sehen:

Performance
Sa 26.9., 3.10., 10.10., 17.10.,
jeweils 11:30 Uhr

Ausstellung der grafischen Partituren
Vitrinen der Galerie im Kornhaus
ab Sa 26.9.

Fokustag 1.10.2020

Mit freundlicher Unterstützung von