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Fokustag
Leonberg
14.10.2020
© Rimini Protokoll

Leonberg

Bernd Oppl
»I’m after me«

Das Gefühl, beobachtet zu werden, kann nicht wirklich dargestellt werden. Es kann aber spürbar gemacht werden. Für seine Arbeit »I’m after me« hat der österreichische Medienkünstler Bernd Oppl im Leonberger Stadtpark eine begehbare Skulptur installiert, die den Raum aus Edward Hoppers Bild »sun in an empty room« als Ausgangspunkt nimmt. Sie ist ein Fremdkörper im Park, eine Kulisse, sie schützt nicht vor Wetter und hält das Draußen nicht draußen. Den Vorbeigehenden bietet sie nicht nur durch das Fenster Einblick, sondern auch durch die fehlenden Wände.

Eine Kamera nimmt dabei im Zeitrafferverfahren in bestimmten Intervallen Bilder auf und es entsteht ein Film. Ihre Linse fängt Regen ein, der hineinfällt oder Sonnenschein und Schatten, die in den Raum geworfen werden. Die Besucherinnen und Besucher, die hinreichend lange im Raum verbleiben, tauchen im Film blitzhaft auf. »I´m after me« – dieser kurze Satz stammt von Hopper selbst und ist ein Kommentar, den er zu seinen Bildern gegeben hat.

»I´m  after me« können die von uns aufgenommenen Bilder sein bzw. Erinnerungsbilder, die hinter uns her sind. »I´m after me« kann als der Schatten, der uns verfolgt, gelesen werden, als Verschwimmen der Perspektive des Beobachtens und Beobachtetwerdens.

In seiner Arbeit spürt Oppl der Frage nach, in welchen Räumen wir uns bewegen: in fremden und selbst geschaffenen, in realen und virtuellen Architekturen, in äußeren und inneren, in physischen und psychischen Räumen. Durch welche gesellschaftlichen Veränderungen und Technologien werden diese Räume geformt und beeinflusst? Wann tauchen neue Raumgestalten auf oder verschwinden wieder aus unserem Leben? Üblicherweise sind Räume Container für Lebenssituationen, in ihnen spielt sich das Leben ab. In den Objekten und Installationen des Künstlers werden die Räume selbst zu Protagonisten und beginnen von sich aus zu erzählen.

Mit freundlicher Unterstützung durch das Österreichische Kulturforum

Der Künstler

Bernd Oppl, 1980 in Innsbruck geboren, studierte Malerei und Grafik an der Kunstuniversität Linz und Videoinstallation an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Seit 2009 sind seine Arbeiten international in Einzel- und Gruppenausstellung zu sehen. 2015 erhielt er den Kunstpreis der Landeshauptstadt Innsbruck, 2019 das österreichische Staatsstipendium für Bildende Kunst. Der Künstler lebt und arbeitet in Wien.  

Website des Künstlers
© Bernd Oppl

Stadtpark
 

Installation zu sehen

Fr 25.9.–So 18.10.

Tagesaufnahmen von »I’m after me«
unter www.unterbeobachtung.net

Programm Fokustag 14.10.

Künstlergespräch mit Bernd Oppl und Gottfried Hattinger
Performances und Jamsession mit Christoph Beck (Saxofon),
Patrick Bebelaar (Piano) und Bernd Settelmeyer (Schlagzeug)

Stadtpark
ab 18:00 Uhr