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Fokustag
Schwäbisch Hall
27.9.2020
© Felicitas Franck

Schwäbisch Hall

Felicitas Franck, Dorothea Franck
»alles da? was fehlt?«

Ins Dieter Franck Haus in Schwäbisch Hall luden die Bildhauerin Felicitas Franck und die Sprachwissenschaftlerin Dorothea Franck zum Rückzug in die Welt der Wörter und der Kunst ein. Die Schwestern entwickelten die Ausstellung »alles da? was fehlt?« gemeinsam für das Haus, in dem einst ihr Vater, der Maler Dieter Franck, lebte. Für sie sind Sprache und Kunst Orte der Gastlichkeit. Im Erdgeschoss herrschte Höhlenatmosphäre. Zu der Frage: alles da? was fehlt? zeigte Felicitas Franck auf dunklen Wänden Relikte von Rückzugsstrategien der eigenen Art: Fotografie, Skulptur, Text, Malerei, Objekte. Mitbringsel aus Höhlengebieten.

Im Mittelpunkt stand die Installation »Hölderlin lesen unter Fischen«. In einem gläsernen Becken schwammen Goldfische über einem Auszug aus Friedrich Hölderlins Text »Im Zustande zwischen Sein und Nichtsein«. Hölderlin philosophiert darin über den Akt der Auflösung und das ihm innewohnende schöpferische Potenzial. Dort wo sich Vergangenes auflöst, wo Sichtbares verschwindet, wo das Sein an die Grenze zum Nichtsein stößt, kann etwas Neues entstehen, sei es Kunst oder neues Leben. Werden und Vergehen sind damit untrennbar verbunden.

Mit ihrer Arbeit schuf Franck eine Allegorie für diesen von Hölderlin beschworenen Zustand: Ruhten die Fische, war es möglich den Text zu lesen. Sobald die Fische sich bewegten, löste sich die Schrift in den Wellen auf und der Text zerstob – auch im Kopf. Der Spannungsbogen des Leseprozesses bricht ab und die Erinnerung löst sich auf. Der Versuch beginnt erneut.

Mit ihrer Installation »Wörterwäsche« bespielte Dorothea Franck den Garten. Sie ging der Sprache an die Wäsche und ließ Sätzen freien Lauf. Franck entband Buchstaben und Wörter ihrer alltagssprachlichen Funktion, ließ sie an Bäumen wachsen oder als Wäsche an der Leine flattern. Mit ihrer Textcollage, die als Leporello im Ausstellungsraum auslag, schaute sie der Sprache genauer auf die Finger und entführte Besucherinnen und Besucher in die Welt des Wortspiels und der Poesie: Wörter, die zerfallen oder sich verheddern, finden überraschenden Sinn.

Die Künstlerinnen

Felicitas und Dorothea Franck sind in Schwäbisch Hall geboren. Felicitas Franck ist Bildhauerin und lebt auf der Oberlimpurg in Schwäbisch Hall. Bis 2010 Künstlerin in Berlin, für die Gründung des Nachlassmuseums Dieter Franck Haus und den Aufbau ihres Ateliers auf der Oberlimpurg zog sie zurück nach Schwäbisch Hall. Dorothea Franck ist Sprach- und Literaturwissenschaftlerin. Sie unterrichtete an der Universität von Amsterdam Poetik und Rhetorik und am Königlichen Konservatorium Den Haag im Fachbereich Bild und Klang. Heute lebt und arbeitet Dorothea Franck in Bern.

© Felicitas Franck / Dorothea Franck
Adresse

Dieter Franck Haus
Ausstellungsräume und Garten
Oberlimpurg 1
74523 Schwäbisch Hall

Ausstellungsdauer

25.9.–18.10.2020
geöffnet sonntags von
13:00–18:00 Uhr und
nach Vereinbarung

Fokustag 27.09.2020