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© Daniel Beerstecher

Stuttgart

Daniel Beerstecher
»Last Place of Refuge«

Lange Zeit galten entlegene Regionen, zumindest aber die eigenen vier Wände als die letzten Zufluchtsorte, in denen man gesellschaftlichen Zwängen und Normen entkommen konnte, um nur für sich zu sein. Heute sendet die Smartwatch Biodaten über unser gesundheitliches Befinden und unsere körperlichen Aktivitäten auch von diesen Orten aus. Selbst die Gedanken als letztes freiheitliches Gut sind aufgrund immer ausgeklüngelter technischer Entwicklungen vor einer Erfassung durch allzu neugierige Internetkonzerne nicht mehr sicher.

Mit seiner Performance »Last place of Refuge«, das die allgegenwärtige Überwachung in einer digitalisierten Welt thematisiert, begibt sich Beerstecher zum vielleicht letzten wirklichen Zufluchtsort unserer Zeit: der Meditation als dem Zustand absoluter Stille der Gedankenlosigkeit und innerer Einkehr. Für die Dauer des Festivals meditiert er dienstags bis sonntags täglich sechs Stunden. Dabei lässt er sich frontal von einer Kamera überwachen, die die Bilder live ins Internet überträgt. Wer vorbeikommt, kann Beerstecher bei seiner Performance beobachten oder mitmeditieren.

Jeden Tag wird er eine geführte Anleitung zur Entschleunigung und Meditation geben, die einen Weg zu diesem Rückzugsort weist. Was von Mystiker*innen und Spirituellen vieler Religionen in der Meditation als der Ort der Gottverbundenheit oder als die mystische Erfahrung der Erleuchtung bezeichnet wird, bekommt auf diese Weise eine weitere Dimension.

Mit diesem Projekt knüpft der Künstler an sein vergangenes Projekt Walk in Time an – den ersten Slow Walk Marathon der Kunst. Auf einer Distanz von 42,195 km bewegte er sich so langsam vorwärts, dass er gerade einmal 120 Meter in der Stunde zurückgelegt hat. Insgesamt 6 Stunden pro Tag, 10 Wochen lang überwachte er sich selbst im meditativen Gehen. Die Entschleunigung nutzte er als künstlerische Praxis: Ein Versuch sich der Zeit und der gesellschaftlichen Tendenz zur Beschleunigung zu entziehen. Seine Daten und sein Walk wurden live in die sozialen Medien sowie in mehreren Museen gestreamt.

Mit freundlicher Unterstützung des Künstlerbundes Baden-Württemberg und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

Der Künstler

Daniel Beerstecher, geboren 1979 in Schwäbisch Hall, lebt und arbeitet als Performancekünstler  in Stuttgart, Rio de Janeiro und auf Reisen. Bekannt wurde er durch seine Zeitlupenperformance »Walk in Time«.

Website des Künstlers
© Daniel Beerstecher
Adresse

Projektraum AKKU
Gerberstraße 5C
70178 Stuttgart

Performances

Sa 26.9.–So 18.10.
Di–So 9:00–12:00 Uhr und
15:00 bis 18:00 Uhr

ab 18:00 Uhr mitmeditieren
begrenzte Teilnehmerzahl

Kinoprogramm 4.10.

»Low Definition Control« (A 2011, 95 min)
R: Michael Palm
Atelier am Bollwerk, Stuttgart
11:00 Uhr, Matinee