Grafik: Schriftzug »Ich lieb' mein Kaff« in Blau auf pinkem Hintergrund. Der Schriftzug »Kaff« schlängelt sich in einem dreidimensional anmutenden Weiß, das an eine Nudel erinnern soll, um das blaue Wort »Kaff«.
Grafik: Schriftzug »Ich lieb' mein Kaff« in Blau auf pinkem Hintergrund. Der Schriftzug »Kaff« schlängelt sich in einem dreidimensional anmutenden Weiß, das an eine Nudel erinnern soll, um das blaue Wort »Kaff«.

Ich lieb' mein Kaff

Es war einmal ein magisches Kaff am Neckar

Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, an einem Ort nicht weit von hier, da gab es ein richtiges Kaff (jiddisch für »Dorf«‹ aus dem hebräischen »Kfar«). Aber es war kein »langweiliges Dorf«, wie es der Duden definiert, sondern magisch. 

Denn eines Tages, im Jahr 1938, zogen dunkle Wolken auf und warfen lange Schatten. Der viel kleinere Dorfteil, der schon seit Jahrhunderten da war, war plötzlich von Zerstörung bedroht.  
Da erschien der Allmächtige selbst. Er teilte das Kaff in zwei. Dann hob er den viel kleineren Teil, der schon seit Jahrhunderten da, aber nun vor Zerstörung bedroht wurde, mit sich in den Himmel. Er trug es über das Mittelmeer und setzte es auf einem kleinen, staubigen, aber den Einwohner*innen bekanntes Stück Land in Sicherheit ab. 

Es wurde Tag und Nacht malocht. Die Kehrwoche war nicht die einzige Form der Gemeinschaftsarbeit. Die ersten Häuser wurden gemeinsam errichtet, auch das Land wurde gemeinsam bewirtschaftet und die Ernte untereinander aufgeteilt. Mit der Zeit wuchs der alte, schwäbische Dorfteil zu einem neuen Kaff – oder wie es dort von den Dorfbewohner*innen in der wiederbelebten Sprache benannt wird, ein »Kfar«. Sie nannten das neue Dorf »Shavei Zion«, was »Rückkehr nach Zion« bedeutet.  Und obwohl die schwäbische Sprache dort mit der Zeit verschwand, werden in dem Ort auch heute noch ab und zu Linsen mit Spätzle gegessen. 

Wenn Sie die ehemalige Synagoge in Rexingen besuchen, können Sie mehr über diesen magischen Auszug und die Verwandlung des Kaffs erfahren. Und wenn Sie den Baum der Erinnerung gießen, kann der Baum am Neckar groß wachsen. Und wenn unsere Kinder und Enkelkinder das gleiche tun, könnten sich die Äste in den Himmel hoch strecken und sogar über das Mittelmeer wachsen. Und wenn es so weiter ginge, könnten sich der Baum in Rexingen und die Bäume von Shavei Zion so weit nähern, dass sie sich eines Tages berühren.  
Und irgendwann, in der nahen oder fernen Zukunft wachsen sie zu einem großen Wald der vereinten Menschheit zusammen. 

Dr. Robert Ogman