Schlafen in der Kapelle
Wie baut man eine Künstler*innenresidenz für Menschen, Pflanzen und andere Mitbewohner?
Warum übernachtet eine Architekturklasse in einer ehemaligen Jesuitenkapelle?
In dieser Folge besuchen wir den Kunstverein Neuhausen. Dort entwickeln Studierende der ABK Stuttgart gemeinsam mit dem Kunstverein Ideen für eine zukünftige Künstler*innenresidenz.
Sie schlafen im Beichtstuhl, im Baum unter Planen, zwischen Heu, Holz, Kälte und Vogelstimmen.
Gerade Kulturorte stehen oft vor der Frage, wie sie mit knappen Mitteln, alten Gebäuden, ökologischer Verantwortung und realen Bedürfnissen umgehen. »ResiDensity« macht daraus ein Experiment: Wie plant man eigentlich einen Ort, wenn man ihn nicht als leere Fläche versteht, sondern als etwas, das längst bewohnt ist – von Pflanzen, Tieren, Materialien, Geschichten und Menschen?
Wir sprechen mit Susanne Jakob vom Kunstverein Neuhausen, Prof. Mark Blaschitz und Rafael Rychlik von der ABK Stuttgart sowie mit Studierenden über das Projekt »ResiDensity«, über temporäres Wohnen, nachhaltiges Bauen und die Frage, wie man einen Ort weiterentwickelt, ohne ihn einfach zu überformen. Denn die Architektur braucht angesichts von aktuellen Klima- und Baukrisen dringend neue praktische Antworten für die Zukunft.
Gast in dieser Folge ist
Susanne Jakob, M. A.,
studierte Kunstgeschichte und Philosophie (Semiotik, Wissenschafts- und Erkenntnistheorie bei Max Bense) sowie Architekturgeschichte/-theorie an der Universität Stuttgart. In den 1990er Jahren folgten mehrere Forschungsaufenthalte in den USA zu Earthworks und Public Art. Seit 1995 leitet sie als Kuratorin und Geschäftsführerin den Kunstverein Neuhausen und ist parallel im Kunstbeirat der Städtischen Galerie Kirchheim unter Teck tätig. Von 2003 bis 2019 lehrte sie im Postgraduierten-Studiengang »Kunst und öffentliche Handlungsfelder/Public Art« an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg sowie an den Kunstakademien Stuttgart und Saarbrücken. Ihre Forschungs- und Ausstellungsschwerpunkte umfassen öffentliche Handlungsfelder, Urban Research, Aktivismus, Partizipation, Praktiken der Aneignung und Devianz sowie nachhaltige und zirkuläre Kunstproduktion.
Prof. Mark Blaschitz
ist Architekt, Hochschullehrer und Mitbegründer des österreichischen Architektur- und Kunststudios SPLITTERWERK. Seit 2010 lehrt er als Professor für Wohnbau, Grundlagen und Entwerfen an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Zuvor war er unter anderem an der TU Graz, der FH Joanneum und als Gastprofessor an der Freien Universität Sarajevo tätig. Blaschitz studierte Architektur und Städtebau an der TU Graz sowie Philosophie in Graz, Klagenfurt und Wien. In seiner Lehre und Praxis verbindet er architektonisches Entwerfen mit künstlerischen, gesellschaftlichen und ökologischen Fragestellungen. Mit SPLITTERWERK realisiert er seit Ende der 1980er-Jahre Projekte an den Schnittstellen von Architektur, Installation, Urbanistik und neuen Medien; Arbeiten des Studios wurden unter anderem auf der Biennale von Venedig, der Biennale von São Paulo, im Umfeld der documenta sowie bei der Ars Electronica präsentiert. An der ABK leitet Blaschitz »The Baukunst Studio«, das sich aktuell insbesondere mit nachhaltigem Bauen und der gesellschaftlichen Rolle von Architektur im Wandel beschäftigt.